RocknRolla (GB 2008)

rocknrollaWie kaum ein zweiter Filmemacher steht Guy Ritchie für das moderne britische Kino. Nach „Bube, Dame, König, grAS“ und „Snatch“ wurde er gefeiert, als innovativer Regisseur, als Europas Antwort auf Tarantino. Danach wurde er zum Gatten von Pop-Diva Madonna, drehte mit ihr den Mega-Flop „Swept Away“ und wurde mit Häme überschüttet. Zu alter Stärke fand er fortan nicht mehr zurück. Der surreale Thriller „Revolver“ kam bei uns nicht mal ins Kino – und auch das Quasi-Comeback „RocknRolla“ bleibt eher durch das verquaste Skript denn gesteigerte Originalität in Erinnerung.

Ritchie hat seine Lässigkeit verloren, diese sympathische Frische, mit der er skurrile Figuren durch einen turbulenten Reigen aus Ironie und Gewalt hetzt. In Grundzügen knüpft er zwar an die Zeit seines Durchbruchs an, nur ist die in Nebenrollen u.a. mit Mark Strong („Syriana“), Jeremy Piven („Smokin‘ Aces“), Tom Hardy („Layer Cake“) reizvoll besetzte Räuberpistole derart kompliziert erzählt, dass den Ereignissen selbst bei voller Konzentration nur schwer zu folgen ist. Die Bedeutung mancher Protagonisten bleibt nebulös, andere verschwinden irgendwann einfach aus der Handlung. Der Spaßgehalt hält sich damit doch arg in Grenzen.

Alles beginnt mit den Londoner Kleingangstern One Two (Gerard Butler, „300“) und Mumbles (Idris Elba, „The Wire“), die von Unterweltgröße Lenny Cole (Tom Wilkinson, „Michael Clayton“) bei einem Grundstücksdeal geleimt werden. Über dessen Beziehungen will sich der russische Milliardär Omovich (Karel Roden, „Hellboy“) die Genehmigung eines Bauvorhabens erschleichen. Jedoch fangen One Two und Mumbles die zur Bestechung eines Stadtrats vorgesehenen 7 Millionen Pfund dank eines Tipps von Omovichs Buchhalterin Stella (Thandie Newton, „L.A. Crash“) ab.

Der Schlamassel zieht immer größere Kreise, als Lennys Stiefsohn, der irrtümlich für Tod erklärte Rockstar Johnny Quid (Toby Kebbell, „Control“), ein wertvolles Gemälde stiehlt, das Omovich dem Geschäftspartner geborgt hatte. Und so nimmt ein hipp gestyltes, durch überflüssige Rückblenden zusätzlich verkompliziertes Verwirrspiel seinen Lauf, dessen Skurrilität doch etwas gewollt wirkt. Löblich mutet Ritchies Abkehr von den Milieus der Drogendealer an, die hier Grundstücksspekulanten und – Abramovich lässt grüßen – russischen Großkapitalisten weichen. Thematisch ist der Film damit zwar auf der Höhe der Zeit, die Narrative hätte aber ruhig etwas traditioneller ausfallen dürfen.

Wertung: 5.0 Stars (5,0 / 10)

 

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