Yakuza Apocalypse (J 2015)

yakuza-apocalypseBleib töricht.

Takashi Miike und die Yakuza. Der eigenwillige, oft provokante Filmemacher beschäftigte sich in seinen Werken wiederholt mit dem organisierten Verbrechen Japans. Dabei heraus kamen solch unterschiedliche Streifen wie das nüchterne Klassiker-Remake „Graveyard of Honor“ (2002), die grelle Trash-Granate „Full Metal Yakuza“ (1997) oder die verschrobene Mystery-Morität „Gozu“ (2003). Bei „Yakuza Apocalypse“ lässt Miike zunächst offen, in welche Richtung der Streifen tendiert. Doch dann eröffnet er dem Zuschauer ein groteskes Feuerwerk, das jeder Konvention eine bisweilen gewöhnungsbedürftig lange Nase dreht.

Der im Off gesprochene Einleitungssatz ist kaum verklungen, da spritzt bereits das erste Blut. Der im sozialen Gefüge einer namenlosen Stadt geachtete Yakuza-Boss Kamiura (Rirî Furankî, „Unsere kleine Schwester“) erwehrt sich einer Gruppe mit Messern und Schwertern bewaffneter Kämpfer. Dabei ist das Massaker nicht einmal vorüber, als er von mehreren Klingen durchbohrt wurde und drei Kugeln in seinem Leib stecken. Ob der folgende Biss in den Hals einer Frau Aufschluss über die Ursache gibt? Zunächst wird der Erzähler vorgestellt, der junge Kageyama (Hayato Ichihara). Der wird durch Kamiura selbst zum Yakuza und schaut bewundernd zum Boss auf. Nebenbei kümmert er sich um Kyoko (Riko Narumi, „Krieg der Dämonen“), die Opfer einer Vergewaltigung wurde.

Was zunächst wie ein durchaus ernsthaftes Unterwelt-Drama anmutet, driftet bald in zunehmend skurrile Sphären. Als Kamiura nämlich von einem mysteriösem Kauz mit Kreuz, französischem Akzent und Sarg auf dem Rücken attackiert wird und von dessen Gehilfen Kyoken (Yayan Ruhian, „The Raid“) den Kopf abgedreht bekommt, ist sein Leben noch immer nicht vorüber. Kageyama, der das Attentat nicht verhindern kann, muss perplex feststellen, dass der Boss ein Yakuza-Vampir ist, der ihm durch einen Biss in den Hals seine Kräfte überträgt. Was folgt ist das Streben nach Vergeltung. Nur schafft er durch unkontrollierbaren Blutdurst weitere Vampire und bringt damit eine Kettenreaktion in Gang, die die Zahl normaler Bürger rasant dezimiert.

Für die hinter Kamiuras Tod steckende Kommandantin Zemba (Reiko Takashima, „The Hidden Blade“) ergibt sich daraus rasch ein großes Problem: Denn mit Übermacht der Vampire bricht die alte Ordnung zusammen und weil sich jeder Verwandelte aufführt wie ein Yakuza, müssen die Gangster um ihre Einnahmequellen fürchten. Um die Entwicklung aufzuhalten, will Zemba, aus deren Kopf Tropfgeräusche erklingen und der bald weiße Flüssigkeit aus dem Ohr sprüht, in Gewächshäusern ehrbare Bürger Pflanzen. Damit nicht genug, treibt eine Bande schräger Vögel ihr Unwesen (einer davon tatsächlich mit Schnabel!), die Kageyamas Rachepläne mit Hilfe von Kaeru-Kun (Masanori Mimoto) durchkreuzen wollen, der als modernes Monster und härtester Terrorist der Welt vorgestellt wird.

Dass der in einem plüschigen Froschkostüm steckt, bevorzugt Yakuza vermöbelt und über die Macht des Glubschaugen-Starrangriffs in Hypnotoad-Manier verfügt, gestaltet den Film nicht weniger absurd. Die Erzählung des gnadenlos überzeichneten Exploiters bleibt episodenhaft und vornehmlich auf die Übertreibung des Augenblicks fokussiert. Dabei helfen teils urkomische Dialogzeilen („Steht eine Ausbildung als Yakuza nicht in Konflikt mit den Kartellverbotsgesetzen?“) und ein Übermaß schräger Ideen – einschließlich eines im Restaurantkeller angeketteten Strick-Zirkels oder einem in der Handfläche gebratenen Ei. So zeigt sich Takashi Miike, der sich für die Anti-Klimax bei „Godzilla“ bedient, wieder von seiner comichaftesten Seite. Kunstfertigkeit und Trash liegen dabei erfreulich nah beieinander.

Wertung: (6,5 / 10)

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