BloodRayne (USA/D 2005)

bloodrayneUwe Boll („Alone in the Dark“) ist der Prügelknabe des Fantasy-Genres. Seine Spezialität sind Verfilmungen populärer Videospiele, sein Markenzeichen einhellig vernichtende Resonanzen. Aber kneift er deshalb den Schwanz ein wie ein geprügelter Hund? Mitnichten. Boll folgt dem mit „House of the Dead“ eingeschlagenen Pfad mit unbeirrbarer Zielstrebigkeit. Das verdient Respekt. Im Gegensatz zu seinen Filmen. „BloodRayne“ ist die dritte Spieladaption in Folge – und gleichsam der dritte Flop. Mit der Konsequenz, dass das mittelalterliche Vampir-Abenteuer hierzulande den Umweg über die Kinos ausspart und gleich als Verleihpremiere Veröffentlichung findet. Und das völlig zu Recht.

„BloodRayne“ ist ein Film der Mysterien. Wie nur schafft es Uwe Boll mit jedem neuen Projekt, mehr und mehr namhafte Akteure um sich zu scharen? Und wie gelingt es ihm, den Darstellern wiederholt sämtliche Ausstrahlungskraft zu rauben? Zauberei? Kryptonit vielleicht? Im Zweifelsfalle Inkompetenz. Aber es ist zu einfach, Boll als Stümper zu brandmarken. Zugegeben, seine Werke hofieren den Spott, tragen ihn geradezu auf Händen. Das schließt die Negativkritik an seiner Kompetenz als Regisseur mit ein. Sein jüngstes Opus ist in diesen Belangen nicht die Ausnahme, sondern die qualitätslose Regel.

Das alte Lied vom Rachedurst trällert diesmal Kristanna Loken („Terminator 3“). Als Vampir-Halbblut Rayne zieht sie gegen Unterdrücker Kagan (Ben Kingsley, „Sexy Beast“) zu Felde, den Mörder ihrer Mutter. Unterstützung findet sie im Vampirjägertrio Vladimir (Michael Madsen, „Sin City“), Sebastian (Matt Davis, „Into the Blue“) und Katarin (Michelle Rodriguez, „Resident Evil“). Vor der finalen Konfrontation gilt es jedoch drei Artefakte zu finden, die ihrem Träger im Kampf entscheidende Vorteile verschaffen.

Boll fügt seiner Filmografie ein weiteres B-Movie mit stolzem Budget hinzu. Auch beim gut 20 Millionen Dollar teuren „BloodRayne“ erweist sich der Regisseur als Mahlstrom jeglichen kreativen Potentials. Das größte Manko ist die Optik. Gerade in den übertrieben blutrünstigen Schlachtszenarien weist der Streifen frappierende Ähnlichkeit zum Oeuvre Olaf Ittenbachs („Beyond the Limits“) auf. Dessen Schaden sollen etwaige Vergleiche nicht sein, schließlich werkelte er an den herben Make Up-Effekten mit. Aber Ittenbach ist ein Regisseur, der zwischen Heimwerker-Splatter und Horror-Trash die Grenzen des guten Geschmacks auslotet. Von den Visionen Uwe Bolls muss schlicht mehr zu erwarten sein.

Optisch schmerzhaft unspektakulär, in seiner Bildsprache geradezu katatonisch, fehlt es der zumeist verzeihlichen Einfalt des Skripts an visuellen Reizpunkten. Die bieten allein die Namen der Darsteller: Geraldine Chaplin („Doktor Schiwago“), Meat Loaf („Fight Club“), Udo Kier („Manderlay“), Billy Zane („Titanic“). Selbst die Nebenrollen sind mit bekannten Gesichtern gefüllt. Es hilft nichts. Die Schauspielführung legt keinen Wert auf Figuren mit Charakter. Entsprechend hölzern kämpfen sich die Protagonisten durch unnötig verzweigte Handlungsstränge, deren Inhaltsleere allein mit Gewalt gefüllt wird. Überhaupt regiert die Lust am Blutbad. Anders ist das Metzel-Medley kurz vor dem Abspann kaum zu erklären. Die tumbe Schlachtplatte bietet zumindest Ramsch-Touristen Futter für die Augen. Auf dieser Basis lassen Bolls zukünftige Filme allerdings schon in der Gegenwart erschaudern.

Wertung: (2 / 10)

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