Unsere Erde (GB/USA/D 2007)

unsere-erdeNicht erst durch Bundesumweltminister Gabriel wurde der Eisbär zum Sinnbild des Klimawandels. Knut und Flocke wärmen die Herzen der Menschen und mahnen, dass es ihre Spezies bald (womöglich) nicht mehr geben wird. Zumindest in freier Wildbahn. Vorreiter in Sachen publikumswirksam aufbereiteter Umweltbelange ist Al Gore, der bereits in „Eine unbequeme Wahrheit“ auf das Schicksal der weißen Bären hinwies, denen durch die Schmelze des arktischen Packeises zunehmend Lebensgrund abhanden kommt. Die schwimmend zu bewältigenden Strecken werden länger, die Wahrscheinlichkeit des Ertrinkens zunehmend größer.

Dass „Unsere Erde“ mit einer Eisbärmutter nebst putzigem Nachwuchs beginnt, spiegelt den Trend ökologischer Aufnahmebereitschaft wider. Die Popularität der Tiere eröffnet die publikumswirksame Dokumentation so spektakulär wie massentauglich. Aufwändige Bilder sprechen alle Altersklassen an, die Kleinen ebenso wie die Großen. Natürlich liegt darin Kalkül. Doch dient dieses nicht nur der Maximierung des Knuddelfaktors, es schärft auch das Bewusstsein für das drohende Schicksal der erbarmungslosen Jäger. Deren wahres Gesicht offenbart sich am dramatischen Schluss, wenn der Eisbärvater in schierer Verzweiflung, den Hungertod vor Augen, in eine Walrosskolonie vorstößt.

Die Regisseure Alastair Fothergill („Deep Blue“) und Mark Linfield sind ein bewährtes Team des BBC. Einen Film wie diesen aber konnten sie unmöglich allein stemmen, weshalb in Kooperation mit Discovery Chanel sowie den deutschen Rundfunkanstalten BR und WDR die wohl spektakulärsten Naturaufnahmen entstanden, die je über die Leinwände flimmerten. Dass diese lediglich Destillat der überragenden elfteiligen Reihe „Planet Erde“ sind, stört herzlich wenig. Denn technisch komplexere und logistisch derart mühevolle Aufnahmen vom Planeten Erde und seiner Artenvielfalt – sachlich kommentiert von Ulrich Tukur bzw. Patrick Stewart – gab es zuvor nur selten zu bestaunen.

Der rote Faden findet sich in der Wanderung von der Arktis bis zum Südpol, vom Frühling bis zum Winter. Die Reise geht durch Jahreszeiten, Klimazonen und Fauna. Scheinbar willkürlich und doch an eine minimale erzählerische Dramaturgie gebunden. Zwischen den Eisbären sind es diverse Spezies, die zu Lande, zu Wasser und in der Luft betörend eingefangen werden. Nicht selten wirkt der Zusammenschnitt gegenüber des Fernsehformates hastig und flüchtig, doch überwiegt die Begeisterung des Naturschauspiels in all seinen Facetten. Neben dem Leben beeindruckt auch der Tod. Der ereilt am Ende den Eisbärvater, der sich nach erfolgloser Jagd entkräftet und Verletzt zum Sterben niederlegt. Die Botschaft ist unverkennbar.

Wertung: (8,5 / 10)

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