The Street Fighter – Der Wildeste von allen (J 1974)

the-street-fighter-chibaHinter dem Siegeszug von Martial-Arts-Ikone Bruce Lee, der mit „Enter the Dragon“ (1973) auch international Erfolge an den Kinokassen feierte, wollte der japanische Film nicht zurückstehen. Also wurde Shinichi Chiba, der Einfachheit halber Sonny Chiba genannt, ins Rennen geschickt und in wüsten Karate-Actionern zum Star aufgebauscht. Deren bekanntester ist der 1974 produzierte „The Street Fighter“, der wegen seiner üppigen Gewaltdarstellung (inklusive beherztem Schlag auf einen Gummischädel in Röntgen-Optik) die Gemüter erhitzte. Was ´back in the old days´ aber Sorgenfalten auf die Stirnregionen diverser Sittenwächter zauberte, ist heute immerhin ein trashiger Exploitation-Klassiker mit entfesselt chargierendem Hauptdarsteller.

Takuma Tsuguri (Chiba) – in der englischen Synchronfassung wurde daraus Terry Suguri – ist ein Antiheld, wie er im Buche steht. Der standrechtlich erschossene Vater gab ihm einst ein paar weise Ratschläge mit auf den Weg: Traue niemandem, verlasse dich nur auf dich selbst und werde ein unbesiegbarer Kämpfer. Der kleine Takuma/Terry tat wie ihm geheißen und wurde zu einer Kampfmaschine, die Fähig- und Fertigkeiten als moderner Söldner an dubiose Auftraggeber verkauft. Zum Auftakt bewahrt er den zum Tode verurteilten Mörder Tateki Shikenbaru (Masashi Ishibashi, „Karate Bullfighter“) als Mönch verkleidet vor dem Galgen, indem er ihn mit einem Koma-Punch außer Gefecht setzt. Auf dem Weg ins Krankenhaus wird der Gefangene anschließend befreit.

Als Tatekis jüngerer Bruder und seine Schwester Nachi (Etsuko Shihomi, „Sister Street Fighter“) bei Tsuguri Zahlungsaufschub erbitten, vermöbelt der die beiden und verlangt, dass sie sein Geld auf dem Strich besorgt! Bei der folgenden Gegenwehr springt der Bruder mit Schmackes aus dem Fester und endet in einer Ketchup-Blutlache. Nachi hingegen wird als Sexsklavin verhökert, trifft in Hong Kong aber auf den außer Landes geschafften Tateki. Inzwischen wird Tsurugi von Gangstern beauftragt, die junge Sarai (Yutaka „Doris“ Nakajima, „The Killing Machine“), Tochter eines unlängst verschiedenen Öl-Tycoons, zu entführen. Doch das Karate-Ass lehnt ab und beschützt die Industrie-Erbin mit Sidekick Rakuda (Goichi Ramada), aus dem die englische Synchro Ratnose machte, lieber vor dem Zugriff der Yakuza. Die heuern ihrerseits den auf Rache für das Schicksal seiner Geschwister brennenden Tateki an.

Die komplizierte Alibihandlung hangelt sich von einer furiosen Balgerei zur nächsten. Dabei schießt Sonny Chiba ein ums andere Mal den Vogel ab. Mit übertriebener Mimik und ausladenden Gesten trägt er so dick auf wie irgend möglich und lässt Karate-Trockenübungen auch mal nach schwerer Rachenreizung aussehen. Beim zeitlupenartigen Spiel der Muskeln darf er zudem fast platzen vor Stolz, was aber meist in kurz krachende Schläge mündet, deren Brutalität auch heute noch Wirkung zeigt. In einer der bekanntesten und absurdesten Szenen reißt er einem Vergewaltiger gar durch die Hose das Gemächt ab! Regisseur Shigehiro Ozawa, der auch die beiden ebenfalls mit Chiba besetzten Sequels drehte, hat einen absurd komischen Exploiter geschaffen, der mit viel Kloppe, übertriebener Gewalt und Funk-Soundtrack immenses Spaßpotential entfaltet. Ein ernsthafter, wenn auch nicht zwingend ernstzunehmender Streifen!

Wertung: (7 / 10)

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