Karate Bearfighter (J 1975)

karatebearfighterDie rastlose (wenn auch nicht zwingend realitätsnahe) Reise des legendären Vollblut-Karatekas Masutatsu Oyama war mit „Karate Bullfighter“ längst nicht abgeschlossen. Noch im gleichen Jahr schlüpfte Oyama-Schüler Sonny Chiba („The Killing Machine“) erneut in die Rolle des verehrten Lehrmeisters und bekam wie der Zuschauer nicht nur im Titel einen Bären aufgebunden. Die Steigerung des Kampfes gegen einen wildgewordenen Stier sollte ein Duell mit Meister Petz bringen. Nur wurde das eher fadenscheinig (und technisch unvollkommen) in die Fortsetzung integriert.

Auch die betreibt reichlich Mythenbildung, wenn Meister Oyama aus dem Zirkel der japanischen Martial Arts-Elite ausgeschlossen wird. Der Konflikt der Auffassungen von Karate, die des sauberen Sports gegen blutigen Ernst, ist also auch zu Beginn der Neunzehnfünfziger ungebrochen. Von Kriegskamerad Kimura, der sich in der Unterwelt einen Namen gemacht hat, wird Oyama angeheuert und mimt in edlem, eher den Siebzigern entsprechendem Zwirn den auch bei Nacht sonnenbebrillten Bodyguard auf Abruf. Dabei lernt er den Kleinkriminellen Kozuru kennen, der sich als Oyama ausgibt, um Wunderkräuter an den Mann zu bringen.

Auch im zweiten Part der „Karate“-Trilogie dreht Regisseur Kazuhiko Yamaguchi („Kurata – Seine Faust ist der Tod“) das Schicksals-Karussell mit enormer Geschwindigkeit. Kozurus Braut Sumiko wird von Karate-Meister Ryudoji (Chibas bewährter Dauerrivale Masachi Ishibashi) erst bedrängt und bei einem Vergewaltigungsversuch schließlich in den Tod getrieben. Der auf Rache sinnende Kozuru wird auch Opfer Ryudojis, den Oyama stellt und im Zweikampf schließlich zu Klump schlägt. Der Kompagnon des Besiegten, der einen ähnlich unerbittlichen Stil wie Oyama pflegt, dürstet nun seinerseits nach Vergeltung.

Zwischendurch trifft Oyama auch seine Liebe Chiyako (Yumi Takigawa, „The Triple Cross“) wieder, die aber noch immer keinen festen Platz im Leben des nimmermüden Kämpfers erobern kann. An seinen Fähigkeiten zweifelnd, erhält er von einem alten Fechtmeister (wie es heißt gespielt vom echten Oyama) den Rat, die Furcht vor sich selbst zu überwinden. In der Provinz kämpft er schließlich mit einem Bären, um Geld für die Pflege eines verunfallten verwitweten Vaters zu beschaffen. Im Gegensatz zur Tötung des Stiers in „Karate Bullfighter“ ist dies Duell jedoch mehr unfreiwillig komisch, ist der Bär doch offenkundig eine von Menschenhand gesteuerte Attrappe.

Die episodenhaft flüchtig erzählte Fortsetzung ist ungeachtet des drolligen Bärenimitats ein betont ernsthaftes Action-Drama, bei dem Chiba an die Leistung des Vorgängers anzuknüpfen weiß. Zwar verfügt die Inszenierung im direkten Vergleich über weniger Wucht, findet aber ein überzeugendes Gleichgewicht zwischen Emotion und Handkante. Manche Elemente und Erzählstränge mögen wie die Wiederholung des Originals wirken, was besonders die Darstellung des Gutmenschen Oyama verdeutlicht. Die erhabenen Karate-Duelle, der ungewöhnlich mentale Finalfight sowie die beeindruckend gefilmte Schlusssequenz machen den Film jedoch zu einem schieren Fest für Genrefans.

Wertung: (7 / 10)

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