The Forecast – Late Night Conversations (2005, Victory Records)

the-forecast-late-night-conversationsWas wurde der Indie-Rock in jüngerer Vergangenheit gescholten, von Emo bis Core Durchdekliniert, Kategorisiert und nach allen Regeln des Ausverkaufs durch Gazetten und Musikfernsehen getrieben. Allmählich kommt diese musikalische Stampete zum Stillstand, das kommerzielle Grün scheint weiträumig abgegrast. Was bleibt ist künstlerisches Ödland und die Hoffnung, dass das Genre bis zur nächsten Woge des Aufschwungs wieder in die Hände der unabhängigen Bands und deren Machern fallen wird.

Ein angenehm bodenständiger Schritt in diese Richtung ist „Late Night Conversations“, der mit beiden Beinen fest in der Realität verwurzelte Debütlangspieler des US-Quintetts THE FORECAST. Bodenständig, weil das Gespann aus Illinois auf jeglichen Zuckerguss und massentaugliches Geplänkel verzichtet. Der Sound ist so bittersüß wie die Arrangements ihrer Melodien. Die Atmosphäre ist gelassen, beinahe entspannt. Und doch unternimmt die Band immer wieder – getragen vom guten Zusammenspiel der beiden Gitarristen – lautstarke Ausbrüche. Dabei wird zwar die Stimme gehoben, nicht jedoch in Geschrei verfallen.

Der Wechsel zwischen männlichen und weiblichen Gesangsparts vollzieht sich aufgrund der dezent schrägen Ausrichtung klar polarisierend. Die melodischen Strophen gehören Gitarrist Dustin Addis, die spröden Brücken Bassistin Shannon Burns. Nicht nur aufgrund des zweistimmigen Wechselspiels erinnern THE FORECAST des öfteren an die alten THE ANNIVERSARY – wenn auch in diesem Falle auf den Einsatz der Orgel verzichtet wird. Dabei büßt der Vierer auch in balladesken Parts kein Quäntchen Glaubwürdigkeit ein, sondern präsentiert mit dem trübsinnigen „Helping Hands“ – das einen dezenten Hauch von KETTCAR in sich trägt – einen der schönsten Popsongs seit langem.

Die Texte bersten nicht vor Tiefsinn, sondern halten sich angenehm bedeckt. Jenseits der obligatorischen ‘Boy meets Girl’-Inhalte schweifen THE FORECAST  über Träume und Sehnsüchte, Befürchtungen und Ängste. „Late Night Conversations“ ist das wunderbar reife Album einer Band, die sich auf 10 Stücken zu keiner Zeit verbiegt, sondern klar strukturierten wie ehrlichen Rock spielt. Und allein das macht THE FORECAST zu einer der Entdeckungen des bisherigen Jahres.

Wertung: (7,5 / 10)

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