The Drowns – View From the Bottom (2018, Gunner Records/Broken Silence)

Die rau-herzliche Seite des Punk-Rocks erfreut sich weiterhin gesteigerter Beliebtheit. Bands wie HOT WATER MUSIC, RED CITY RADIO oder die unlängst aufgelösten NOTHINGTON stehen für Emotion ohne Weichspüler und Leidenschaft ohne Kitsch. Es ist Musik für die Vollbartträger, die Karohemdbefürworter, die zwischen Alltag und Sehnsüchten nach einem Weg suchen, sich bierselig in den Armen zu liegen und schroffe Singalongs zu grölen. Oder so ähnlich. Durch Bands wie die obengenannten hat der Punk nichts Subversives oder Kontroverses mehr. Es geht um erwachsene Subkultur für ein (mehr oder weniger) erwachsenes Publikum.

Eine weitere Formation, die dieser Marschrichtung folgt, hört auf den Namen THE DROWNS. Bestückt mit ehemaligen Mitgliedern u. a. von THE SHELL CORPORATION und THE BRIGGS, vereint das Trio Jahrzehnte umspannende Erfahrung und sicheres Gespür für die Eintracht von Herz und Melodie. Auf ihrem Debütalbum „View From the Bottom“ servieren THE DROWNS zehn Mid-Tempo-Nummern, die sich ihre grundlegende Abwechslung bereits dadurch bewahren, dass zwei in ihrer Tonalität unterschiedliche Stimmen die Songs prägen.

Da ist einmal das gewohnt spröde, vermeintlich Whiskey-gegerbte Organ, das als eines der Aushängeschilder des (Sub-)Genres bezeichnet werden muss. Die andere Seite wird von klaren, im Stile eines Josh Caterer (THE SMOKING POPES) fast zurückhaltenden Vocals bestimmt. Beide Stilismen ergänzen sich stimmig und lassen „View From the Bottom“ nie in altbekannten Mustern verharren. Das größere Hitpotential wohnt jedoch zweifelsfrei den punkigeren, den raueren Stücken inne – solchen wie „Eternal Debate“, „Where’s Bobby?“ oder dem Titeltrack. Das meist im minderen Drehzahlbereich angesiedelte, punktiert mit Elementen von Americana und Folk angereicherte Gesamtpaket jedoch passt. Dass die ganz großen Momente rar bleiben, verzeiht man daher gern.  

Wertung: (7 / 10)

scroll to top