Shaun das Schaf – Der Film: Ufo-Alarm (GB/F 2019)

Mit den Stop-Motion-Erlebnissen des frechen Schafes Shaun und seiner Freunde hat das britische Animationsstudio Aardman („Wallace & Gromit“) einen weiteren Coup gelandet. Den seit 2007 produzierten Kurzfilmen ließen Richard Starzak („Creature Comforts“) und sein Team acht Jahre später den ersten Kinoableger folgen. Eine markante Besonderheit: das Fehlen verständlicher Dialoge. Dies sympathisch urtümliche Credo hielt die Macher auch beim zweiten Leinwandauftritt der kauzigen Farm-Bewohner nicht davon ab, eine komplexe – und obendrein neuerlich urkomische Geschichte zu erzählen.

In „Shaun das Schaf – Der Film: Ufo-Alarm“ (Regie: Will Becher und Richard Phelan, „Early Man“) steht – der Titel nimmt es vorweg – die Begegnung mit Außerirdischen im Mittelpunkt. Dabei landet das lila Alien-Kind Lu-La mit dem elterlichen Raumschiff nahe dem englischen Provinzstädtchen Mossingham – und gelangt über den Umweg eines Pizzaboten unbemerkt auf die Mossy Bottom Farm. Und während der Bauer ob der sich verbreitenden Ufo-Manie Pläne fasst, sein Land zum Alien-Erlebnispark „Farmageddon“ umzubauen, freunden sich Shaun und Lu-La alsbald an.

Probleme sind vorprogrammiert. Und dass nicht allein durch Lu-Las Gabe, jedes Geräusch zu imitieren und mit leuchtenden Tentakeln Gegenstände zu bewegen. Denn eine strenge Alien-Jägerin setzt alles daran, das fremde Wesen aufzuspüren und sich und der Welt zu beweisen, dass Lebensformen aus dem All tatsächlich existieren. Dumm nur, dass ausgerechnet der als Astronaut kostümierte Hofhund Bitzer ihre Aufmerksamkeit erregt. So entspinnt sich zwischen Hinterland und Weltraum ein turbulentes Abenteuer, bei dem es schlussendlich gilt, Lu-Las Eltern auf den Standort ihres ausgebüxten Sprösslings aufmerksam zu machen. 

Der von den Aardman-Urgesteinen Nick Park und Peter Lord produzierte Trickfilm ist gewohntermaßen detailreich und mit ausgeprägtem Sinn für Situationskomik realisiert. Für die Kleinen gibt es Slapstick-Humor der feinsten Sorte und die Großen können sich an Klassiker-Anspielungen u. a. auf „Akte X“, „2001 – Odyssee im Weltraum“, „E.T.“ oder „Star Trek“ ergötzen. Die Kombination aus schrulligem Brit-Humor und auf Action getrimmter Blockbuster-Dramaturgie funktioniert abermals hervorragend. Dabei gibt es nicht allein ein (in Teilen kurzes) Wiedersehen mit sämtlichen Serienfiguren, sondern insbesondere einen herrlich zeitlosen Spaß für alle Altersklassen. Und das auch beim wiederholten Ansehen.

Wertung: 8.5 out of 10 stars (8,5 / 10)

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