Shaun das Schaf – Der Film (GB/F 2015)

shaun-das-schaf-der-filmDas kleine Schaf Shaun ist Kult. Und das nicht allein bei Kindern. Die Aardman Studios, die bereits die Oscar-prämierten Abenteuer von „Wallace & Gromit“ schufen, verstehen sich eben perfekt auf stop-motion-animierte Knetfigurenfilme, bei denen die liebevolle Gestaltung und irrwitzige Kinozitate problemlos auch Erwachsene ansprechen. Seit 2007 erobert der aufgeweckte Paarhufer die Mattscheiben der ganzen Welt. Der Übertrag auf die große Leinwand schien da lediglich eine Frage der Zeit. Fast verwunderlich mutet da an, dass es bis 2015 brauchte, ehe „Shaun das Schaf – Der Film“ die Erfolgsformel der Serie in die Kinos trug.

In Zeiten, in denen Computeranimationen den Trickfilm längst revolutioniert haben, ist das Vorgehen bei Aardman geradezu wohltuend anachronistisch. Die Schattenseite dieser Akribie ist der immense Aufwand. Denn für wenige Sekunden flüssiger Bewegung vergehen bisweilen Wochen. Doch ist es gerade diese unzeitgemäße Andersartigkeit, die den Werken des britischen Studios, ähnlich den Puppentrickfilmen Tim Burtons, ihren ganz eigenwilligen Zauber verleihen. Der erste Breitwandauftritt von Shaun und seinen Freunden bildet da keine Ausnahme. Und wie es sich für die Dimensionierung internationaler Lichtspielhäuser gehört, wird der Fokus von der angestammten Farm auf die weite Welt – oder in diesem Falle die nächstgelegene Großstadt – erweitert.

Eigentlich wollte Shaun nur einen Ruhetag für sich und die anderen Artgenossen erschleichen. Doch der filigran ausgeheckte Plan, ihren Besitzer durch Schafezählen in Tiefschlaf zu versetzen, geht gehörig schief. Denn der Wohnwagen, in dem der Viehwirt zur Ruhe gebettet wird, löst sich und braust über Feldwege bis in die große Stadt. Sofort eilen Shaun und die anderen Schafe hinterher, müssen samt Hütehund Bitzer aber bald feststellen, dass der Bauer durch einen Schlag auf den Kopf sein Gedächtnis verloren hat – und durch Scherrasuren zum Star der urbanen Friseurszene avanciert. Die Bemühungen, ihn von der eigentlichen Berufung zu überzeugen, werden von Tierfänger Trumper erschwert, der die Schafe mit allen Mitteln fangen und in Zwinger sperren will.

Wie gewohnt braucht es keine Dialoge, um die Geschichte auszuerzählen. Das Regisseurs-Duo Mark Burton und Richard Starzak verlässt sich voll auf die gewohnt ausdrucksreichen Knetfiguren und bettet diese in liebevoll gestaltete Kulissen. Der Plot ist simpel, wird durch turbulente Slapstick-Situationen und (konzeptgemäße) Anleihen bei klassischen Stummfilm-Komödien aber beständig auf kurzweiligem Kurs gehalten. Für die kleinen Zuschauer gibt es durch die Freundschaft von Shaun zur unschönen, aber gutherzigen Hündin Slip obendrauf die Botschaft, dass Äußerlichkeiten nicht den Wert des Charakters ausmachen. Die Elterngeneration hingegen erfreut sich an Seitenhieben gegen die vernetzte Gesellschaft und Anspielungen auf „Das Schweigen der Lämmer“, „Taxi Driver“ und „Die Verurteilten“. Kurzum: Ein großer Spaß für die ganze Familie.

Wertung: (8 / 10)

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