Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten (USA 2011)

pirates-of-the-caribbean-fremde-gezeitenWie lange braucht es, bis sich ein filmisches Schema erschöpft hat? Bei der Bruckheimer-Produktion „Fluch der Karibik“, oder eben „Pirates of the Caribbean“, wie die Reihe mittlerweile auch im Deutschen heißt, sind die Ermüdungserscheinungen spätestens mit Part vier nicht mehr von der Hand zu weisen. Ihre Längen hatten auch die Vorgänger. Nur wurden diese durch den übergeordneten Handlungsrahmen der Trilogie immerhin noch in den Dienst einer in sich geschlossenen Geschichte gestellt. „Fremde Gezeiten“, vage basierend auf einem Buch von Tim Powers, kommt dies wenn schon nicht legitimierende, so aber doch immerhin entschuldigende Element weitgehend abhanden und mündet in eine eintönige Nummernrevue für Johnny Depps tuntigen Seeräuber Jack Sparrow.

Der befindet sich am verheißungsvoll rasanten Startpunkt mal wieder in Gefangenschaft. Eigentlich wollte er in England den Getreuen Gibbs (Kevin McNally) vor dem Galgen retten, wofür er sich auch gleich als Richter verkleidet. In Ketten endet Jack trotzdem, schließlich ist er im Besitz einer Karte, die den Weg zur sagenumwobenen Quelle der ewigen Jugend weist. Sein alter Widersacher Barbossa (weitgehend beschäftigungslos: Geoffrey Rush, „The King’s Speech“) steht mittlerweile im Dienste der Krone und soll den Spaniern zuvorkommen, die ihrerseits nach der Quelle fahnden. Zwar kann Jack spektakulär entkommen und trifft sogar seinen Vater (spaßiger Kurzauftritt für Alt-Rocker Keith Richards) wieder, ein Schiff fehlt ihm aber immer noch.

Da trifft sich gut, dass ein Schwindler unter seinem Namen eine Mannschaft anheuert. Der entpuppt sich als Jacks alte Affäre Angelica (kaum mehr als ein hübscher Blickfang: Penélope Cruz, „Volver“), die erst mit ihm die Klingen kreuzt und ihn schließlich an Bord des von ihr offerierten Schiffes bringt. Nur konnte Jack nicht ahnen, dass er dort ausgerechnet an den gefürchteten Freibeuterkapitän Blackbeard (souverän: „Deadwood“-Star Ian McShane) gerät, der, obendrein Angelicas Vater, die Quelle der ewigen Jugend erreichen will, bevor sich eine für ihn tödliche Prophezeiung erfüllt. Auf Kurs gehalten wird der Wettlauf der verschiedenen Interessensparteien durch Zombies, menschenfressende Meerjungfrauen und die Suche nach den Ingredienzien für ein im Sinne der Lebensverlängerung notwendiges Ritual.

Ist der anfängliche Pep erst einmal verflogen, flacht das von Rob Marshall („Nine“) routiniert abgerollte Seemannsgarn spürbar ab. Abseits der wiederum sehenswerten Ausstattung und Effekte mangelt es schlicht an guten Ideen, so dass der gewohnt wonnige Depp als spleeniger Kostümkasper die Kohlen aus dem Feuer holen muss. Allein kann er, insbesondere hinsichtlich der kaum ausgearbeiteten übrigen Figuren, aber nur wenig ausrichten. Auch wirken einige der episodisch verknüpften Abenteuer schlicht überflüssig, was vor allem auf die als Orlando Bloom/Keira Knightley-Ersatz herhaltenden Sam Claflin („Die Säulen der Erde“) und Astrid Berges-Frisbey zutrifft, deren unmögliche Liebe zwischen Priester und Meerjungfrau anmutet wie pures Füllmaterial. So taumelt der Film letztlich unbefriedigend zwischen netter Unterhaltung und purer Belanglosigkeit. Aber so lange das Einspielergebnis stimmt, wird Disney die Piraten sicher auch weiterhin vom Stapel lassen.

Wertung: (5 / 10)

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