Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (USA/GB 2016)

„We’re going to recapture my creatures before they get hurt. They’re currently in alien terrain surrounded by millions of the most vicious creatures on the planet: humans.“ – Tierlieb: Newt Scamander

Die Welt der Magie lässt Joanne K. Rowling nicht los. Verdenken kann man es ihr keineswegs, schließlich wurde die ehemalige Sozialhilfeempfängerin durch die „Harry Potter“-Saga weltberühmt – und schwer reich. Eine Überraschung ist daher nicht, dass mit „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ das nächste Kapitel im etablierten Universum der Hexen und Zauberer aufgeschlagen wird. Das Drehbuch schrieb Rowling auf Basis ihres gleichnamigen Fantasy-Sachbuchs, das Einblick in die reichhaltige Fauna ihrer Schöpfung gewährt. Fürs Auge bietet der von David Yates (Regisseur der finalen vier „Harry Potter“-Abenteuer) gedrehte Film einiges. Dass die Geschichte in ihren Nebenhandlungen oftmals wirkt, wie eine stark eingedampfte Romanerzählung, bleibt daher leicht verzeihlich.

1926 reist der spleenige britische Wissenschaftler Newt Scamander (Eddie Redmayne, „Jupiter Ascending“) mit einem magischen Koffer voller obskurer Tiere nach New York. Als ihm einige davon abhandenkommen, gerät er mit der pflichtbewussten Zauberei-Ermittlerin Porpentina Goldstein (Katherine Waterston, „Inherent Vice“) in Konflikt. Die wurde unlängst degradiert und hofft über Scamanders Festsetzung die Gunst von Seraphina Picquery (Carmen Ejogo, „The Purge: Anarchy“), Präsidentin des US-amerikanischen Magie-Kongresses, zurückzugewinnen. Denn in den Vereinigten Staaten ist die Aufzucht magischer Geschöpfe streng verboten und die Lage durch mysteriöse Geschehnisse in der Stadt stark angespannt. Eine unbekannte Macht sorgt für die Zerstörung von Gebäuden und als Senator Henry Shaw (Josh Cowdery), Sohn eines einflussreichen Zeitungsmagnaten (Jon Voight, „Ray Donovan“), einem Attentat zum Opfer fällt, droht die magische Parallelgesellschaft aufzufliegen.

Zu allem Überfluss erhält der einfache Bäcker Jacob Kowalski (Dan Fogler, „Balls of Fury“) durch Scamanders Tollpatschigkeit Einblicke ins Reich der Zauberei – und ist nicht allein von Goldsteins des Gedankenlesens fähiger Schwester Queenie (Alison Sudol, „Dig“) fasziniert. Die Suche nach den ausgebüxten Kreaturen, darunter ein diebisches, an ein Schnabeltier erinnerndes Nifflermit, bietet Charme, grandiose Tricks und Humor mit gelungenen Slapstick-Einlagen. Dem gegenüber stehen politische Anspielungen, etwa auf den Umgang des Menschen mit der Natur und die Terrorangst in den USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Die wird durch den untergetauchten Schurken Gellert Grindelwald (mit kurzem Gastspiel: Johnny Depp, „Fluch der Karibik“) genährt, der einen Krieg zwischen Magiern und Muggeln (oder hier No-Majs) anzetteln will.

Das größte Problem der Geschichte sind die eingeschobenen, auch charakterlich bestenfalls oberflächlich erscheinenden Nebenplots. In denen drängt die religiöse Fanatikerin Mary Lou (Samantha Morton, „John Carter“) mit Hilfe ihrer gepeinigten Ziehkinder auf Beweise für die Existenz von Hexen und Zauberern. Der introvertierte Credence (Ezra Miller, „Justice League“), einer ihrer Zöglinge, wird vom undurchsichtigen Magier Percival Graves (Colin Farrell, „True Detective“) gedrängt, im Gefolge der Waisen nach besonderen Fähigkeiten Ausschau zu halten. Die verschiedenen Handlungsstränge laufen am Ende in einem generischen, den Zauber der Herleitung ein wenig plump kontrastierenden Effektgewitter zusammen. Der positive Gesamteindruck leidet darunter nicht zwingend, nur wirkt der sehenswert besetzte (mit dabei ist u.a. Ron Perlman, „Pacific Rim”) und glänzend unterhaltende Auftakt einer geplanten Serie insgesamt ein wenig unausgewogen.

Wertung: (7,5 / 10)

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