Der letzte Tempelritter (USA 2010)

der-letzte-tempelritterNicolas Cage war mal jemand. Ein kleiner Exzentriker vielleicht, aber einer, dem man durchaus gerne zusah. Wenn er in seinen Rollen schier aufging, was ihm letztlich für seine intensive Darstellung eines Alkoholikers in „Leaving Las Vegas“ auch verdientermaßen den Oscar einbrachte. Irgendwann wollte er Action-Held werden und schon da wurden die Frisuren schlimmer („Con Air“). Heutzutage lohnt ein Film mit ihm fast nur noch wegen seiner (falschen) Haarpracht. Diesbezüglich bildet auch Dominic Senas („Nur noch 60 Sekunden”) Mittelalter-Mär „Der letzte Tempelritter“ – im Original noch treffenderweise „Season of the Witch“ betitelt – keine Ausnahme.

Jahrelange haben die beiden Ritter Behmen (Nicolas Cage) und Felson (Ron Perlman, „Hellboy”) in gutem Glauben und sichtlicher Freude unzählige Menschen in den Wirren der Kreuzzüge getötet. Was der Herr sagt, muss schließlich richtig sein. Zumindest, bis eine Frau versehentlich durch Behmens Schwert stirbt und sich so dessen Meinung zum täglichen Töten grundsätzlich ändert. Er und Felson kehren umgehend zurück in die Heimat, wo sie – ganz zum Zwecke der Läuterung – im Namen des Herrn mit ein paar Männern eine ortsansässige Hexe (Claire Foy) in ein anderes Kloster überführen sollen.

Die Frage, was genau nun „Der letzte Tempelritter“ sein will, bleibt nach knapp anderthalb Stunden unbeantwortet. Denn die Versatzstücke sind ähnlich zahlreich und wirr konstruiert wie in Hugh Jackmans „Van Helsing“. Alleine die beiläufig erzählte und komplett ernst gemeinte Läuterung nach jahrelangem Morden wirkt in den ersten Minuten des Films komplett bescheuert. Die Kampfszenen in billiger „300“-Ästethetik unterstreichen diesen Eindruck noch. Was dann folgt ist ein kaum spannungsreicher Horror-Spuk. Die bunt gemischte Truppe darf im Auftrag eines mal wieder schräg hergerichteten Christopher Lee („Dracula“) jene potentielle Hexe – deren wahres Gesicht man eingangs bereits präsentiert bekommt – quer durch die dicht bewaldete Pampa führen. Dem gerade erst menschelnden Nicolas Cage ist diese Vorführung des unschuldig wirkenden Fräuleins vorerst ein Dorn im Auge, was wiederum mit dessen Vergangenheit kaum übereinkommt. Aber was kümmert schon Logik?

Stattdessen gibt es mittelalterliche Kumpanei von Felson und Behmen, die man schon wegen ihrer Namen kaum ernst nehmen kann. Auf ihrer Reise trifft die Gruppe, die es natürlich nicht in kompletter Größe zur finalen Schlacht schaffen wird, auf kampflustige Wölfe oder eine brüchige Hängebrücke. Zwischen mittelmäßigen CGI-Effekten und Altbekanntem bleibt kaum mehr als Schmunzeln. Wohin der Film letztlich führt, weiß man ohnehin sehr früh. Allerdings wirkt der dämonische Ringelpietz im Schlussakt doch etwas sehr weit hergeholt, offenbart aber letztlich nur die Planlosigkeit des gesamten Films. Weder Sekt noch Selters, stattdessen ein lauwarmes Süppchen mit vielen bekannten Zutaten. Wenn diese doch nur halbwegs anständig zusammengeführt worden wären…

Wertung: (4 / 10)

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