Ouija – Ursprung des Bösen (USA 2016)

Es ist wie immer in Hollywood. Ein Horrorfilm spielt ein Vielfaches seiner überschaubaren Produktionskosten ein und weckt bei den Finanziers das Bedürfnis auf Wiederholung. Das funktioniert auf zwei Wegen: entweder als klassische Fortsetzung oder als Prequel. „Ouija“, basierend auf dem gleichnamigen Hasbro-Brettspiel, spülte bei einem schlanken Budget von fünf Millionen Dollar dergleichen rund 50 Millionen zurück in die Kassen. Raum für ein Sequel hätte sicher bestanden, die Produzenten um Michael Bay („The Purge“) entschieden sich aber trotzdem dafür, die Vorgeschichte näher zu beleuchten.

Das führt jedoch zu einem nicht unerheblichen Problem: Grundlegend wurde das Schicksal der kleinen Doris und ihrer Familie bereits im Vorläufer skizziert. Die ausgebreitete Exposition hätte es daher kaum gebraucht. Dazu taucht Regisseur und Co-Autor Mike Flanagan („Hush – Still“) ins Jahr 1967 ein und zeigt, wie der Schrecken über Wahrsagerin Alice Zander (Elizabeth Reaser, „Twilight“) und ihre beiden Töchter kam. Nach dem Tod ihres Mannes hält sie die Familie mit fingierten Seancen über Wasser, bei denen die kleine Doris (Lulu Wilson, „Erlöse uns von dem Bösen“) und Teenagerin Lina (Annalise Basso, „Captain Fantastic“) tatkräftige Unterstützung leisten, um Hinterbliebenen (darunter „Hush“-Hauptdarstellerin Kate Siegel) ein gutes Gefühl zu verschaffen.

In der ersten Hälfte ist „Ouija – Ursprung des Bösen“ ein seichtes Familiendrama. Dass düstere Vorzeichen nicht ausgespart bleiben, liegt am titelgebenden Spielbrett, mit dem Doris versucht, den Geist ihres Vaters zu kontaktieren. Tatsächlich erhält sie das bekannte „Hi Friend“ als Antwort, wird kurz darauf aber von einer dämonischen schwarzen Kreatur mit glühenden Augen (Doug Jones, „Hellboy“) vereinnahmt. Die damit einhergehende Veränderung deutet Alice zunächst als Reife zum echten Medium. Nur bemerkt niemand Doris‘ grotesk verzerrtes Gesicht beim Fernsehkonsum durch milchige Augen.

Die Zeichen erkennt neben Lina nur der von ihr hinzugezogene Schulrektor/freundliche Geistliche Tom Hogan (Henry Thomas, „Gangs of New York“). Dass aber auch dessen Bemühungen den auf Experimente der Nazis zurückzuführenden Schrecken nicht in die Schranken weisen können, zeigt der Blick auf den ersten Teil. Da das Auskommen vorab bekannt ist, will sich nur schwer konstanter Nervenkitzel einstellen. Wäre es nicht um die überzeugenden Darsteller, allen voran die das Böse hinter Rehaugen verbergende Lulu Wilson, der Film fiele vollends durch. So bleibt gediegen belangloser Mystery-Grusel mit ein paar wirksamen Bildern, bei dem jedoch niemand Alpträume fürchten muss.

Wertung: (4,5 / 10)

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