Jurassic World – Das gefallene Königreich (USA/E 2018)

„Change is like death. You don’t know what it looks like till you’re standing at the gates.“ – Periphere Stimme der Vernunft: Ian Malcolm

Das Problem vieler Fortsetzungen ist nicht allein die akute Ideenlosigkeit, sondern auch der mangelnde Erkenntnisgewinn der Protagonisten. Aus den Fehlern der Vergangenheit lernen hieße, Filmen die erzählerische Grundlage zu rauben. Bei „Jurassic World“ (2015), dem vierten Teil der auf Michael Crichtons Roman basierenden „Dino Park“-Saga, erschien es ungeachtet des im Original erlebten Fiaskos augenscheinlich sinnstiftend, neuerlich einen Freizeit- und Erlebnispark mit Dinosauriern zu schaffen. Dass der am Ende untergehen würde, dürfte unter den Millionen Kinozuschauern weltweit wahrlich niemanden überrascht haben.

Da sich aber nicht allein die Historie, sondern auch Filmstoffe permanent wiederholen, folgt das „Jurassic World“-Sequel, „Das gefallene Königreich“, dem Muster der ersten Fortsetzung „Vergessene Welt“ (1997). Will heißen, eine vom bärbeißigen Söldner Wheatley (Ted Levine, „Shutter Island“) angeführte Expedition mit Beteiligung der Helden des Vorgängers – in diesem Fall Ex-Parkleiterin Claire Dearing (Bryce Dallas Howard, „Gold“) und Raptoren-Trainer Owen Grady (Chris Pratt, „Guardians of the Galaxy“) – begibt sich auf die bekannte, von Urzeit-Tieren beherrschte Insel. Dass die diesmal, bedingt durch einen aktiven Vulkan, dem Untergang geweiht ist, dient der Story als initiale Triebfeder.

Denn als die US-Regierung beschließt, die Dinos ihrem Schicksal zu überlassen, wollen private Interessengruppen den Fortbestand der Giganten sichern. Finanziert wird das Unterfangen von Benjamin Lockwood (James Cromwell, „The Artist“), einem alten (und altersschwachen) Partner John Hammonds, der Vermächtnis und Vermögen in die Hände des ehrgeizigen Eli Mills (Rafe Spall, „Prometheus“) gelegt hat. Um zu realisieren, dass der ganz eigene Ziele verfolgt, müssen sich Claire und Owen samt dem auf kauzige Lacher beschränkten Nerd-Gefolge Zia (Daniella Pineda, „The Detour“) und Franklin (Justice Smith, „The Get Down“) aber zunächst von der im Lavastrom untergehenden Insel retten.

Die Effekte sind einmal mehr erstklassig und der Regie-Stil J. A. Bayonas („The Impossible“) erinnert stark an Steven Spielberg – neben Frank Marshall („War Horse“) wieder als Produzent gelistet – zu „Indiana Jones“-Zeiten. Das passt wunderbar. Das generische, u. a. von Vorgänger-Regisseur Colin Trevorrow erdachte Skript hingegen weniger. Das Gesamtszenario wirkt arg überraschungsarm, zu sehr bedacht, funktionale Elemente der übrigen Kapitel zu wiederholen. So gibt es mit Lockwoods Nichte Maisie (Isabella Sermon) selbstredend wieder einen bedeutenden juvenilen Charakter, der aber erst zur Geltung kommt, wenn sich das Geschehen in Hälfte zwei ins geräumige Anwesen des Geldgebers verlagert.   

Dort müssen Claire und Owen auf überschaubarem Terrain gegen die Ausbeutung der geretteten Dinos, darunter der aus dem Vorläufer bekannte Raptor Blue, und den vom bewährten Gen-Tüftler Dr. Wu (BD Wong, „Gotham“) erschaffenen Super-Saurier Indoraptor kämpfen. Für actionreichen Trubel ist gesorgt, nur erweist sich das Auskommen zwischen Retten und Flüchten als streng vorhersehbar. Da hilft wenig, dass die Story mit Toby Jones („Atomic Blonde“) und Geraldine Chaplin („Ich und Kaminski“) auch in kleineren Rollen prominent unterfangen bleibt. Am (äußeren) Rand kehrt auch Jeff Goldblum in seine Rolle als exzentrischer Philosoph Ian Malcolm zurück. Seine als erzählerische Klammer dienenden Ausführungen lassen den Titel am Ende zur Realität werden. Zumindest damit eröffnen sich dem Stoff Möglichkeiten, um das bloße Ideen-Recycling zukünftig hinter sich zu lassen.

Wertung: (5,5 / 10)

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