Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (USA 2008)

indiana-jones-und-das-koenigreich-des-kristallschaedelsDass der Mann mit dem Hut tatsächlich noch einmal auf die Leinwand zurückkehren würde, wirkte in Hollywood lange wie ein ferner Traum. Einer der Fans, einer der kindgebliebenen Filmmogule Steven Spielberg und George Lucas. 19 Jahre ist es nun her, dass Indiana Jones zum letzten Kreuzzug aufbrach. In dieser Zeit gab es zahllose Gerüchte, Mutmaßungen und Drehbuchentwürfe. Einer davon entstammt der Feder Frank Darabonts („Die Verurteilten“), der damit zwar die Zustimmung von Regisseur Spielberg und Hauptdarsteller Harrison Ford, nicht aber die von Produzent Lucas erntete. So zog sich die Vorbereitung hin.

Ins alte Kostüm konnte der mittlerweile 65-jährige Ford erst schlüpfen, als David Koepps („Spider-Man“) Vision – basierend auf einer Idee von Lucas und Jeff Nathanson („Catch Me If You Can“) – einer dritten Fortsetzung allgemeinen Anklang fand. Darin wird das Jahr 1957 geschrieben. Der Kalte Krieg hat den Zweiten Weltkrieg abgelöst, die Russen haben den Nazis den Rang um jenen nach Weltherrschaft gierenden Kontrapart abgerungen. Bescheren soll ihnen die Allmacht ein sagenumwobener Kristallschädel, der Jones nebst Verbündeten und Gegenspielern nach Südamerika verschlägt.

Mitten hinein ins neueste Abenteuer zieht Indy der junge Mutt (Shia LaBeouf, „Transformers“), eine halbstarke Mischung aus Marlon Brando und James Dean. Der ist der Sohn einer gewissen Marion Williams (Karen Allen), die in „Jäger des verlorenen Schatzes“ noch auf den Namen Ravenwood hörte. Sie wurde im Amazonasgebiet von den Schergen der russischen Offizierin Irina Spalko (Cate Blanchett, „Der Herr der Ringe“) entführt. Mit Jones’ erzwungener Hilfe hofft die nicht nur den Kristallschädel zu finden, sondern auch eine außerirdische Quelle unschätzbarer Weisheit.

Der Plot ist dünn. Sehr dünn. Das war auch beim dritten Teil der Reihe nicht anders. Besseres als extraterrestrische Besucher und ein Finale im „Akte X“-Stil hätten Koepp & Co. aber schon auffahren können. Überhaupt ist „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ der mit Abstand schwächste Aufguss des Themas. Schwer unterhaltsam ist er dennoch, was nicht zuletzt am wunderbar rüstigen Harrison Ford liegt, der abermals den Spielwitz und die personifizierte Selbstironie für sich gepachtet hat. Im Detail aber zeigen sich charakterliche Neudefinitionen, die nicht recht ins angestammte Bild passen wollen. Indiana Jones als US-Spion? Aber bitte nur mit Peitsche und Fedora.

Mit hohem Tempo, reichlich Action und wunderbaren Referenzen an die Vorgänger werden kleinere Mängel kaschiert. Wenn auch längst nicht jede der irrwitzigen Übertreibungen ins Schwarze trifft. Gleiches gilt für die Nebendarsteller. Ray Winstone („Sexy Beast“) als doppelter Doppelagent Mac oder John Hurt („Hellboy“) als zauseliger Professor Oxley wirken sichtlich unterfordert. Wie auch Cate Blanchett, die als russische Kampfamazone kaum mehr als den Schurkendurchschnitt bedient. Ob die späte Wiederbelebung des Mythos zwingend notwendig gewesen wäre, sei dahingestellt. Indiana Jones verfügt noch immer über die Kraft, sein Publikum in die Sitze zu pressen. Und das ist schlussendlich das einzige was zählt.

Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

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