Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (USA 1989)

indianajoneskreuzzug„Der Mann mit dem Hut ist zurück. Und diesmal bringt er seinen Vater mit.“  – Der bekannte alte deutsche Werbespruch des Films

Zurück zu den Wurzeln heißt es im dritten Kinoabenteuer des draufgängerischen Archäologen Indiana Jones. Trotz seines Erfolges hinterließ der Vorgänger „Indiana Jones und der Tempel des Todes“, der eigentlich noch vor den Geschehnissen von „Jäger des verlorenen Schatzes“ angesiedelt ist, ein gespaltenes Meinungsbild. Was folgte war die Rückbesinnung von Produzent George Lucas („Star Wars“) und Regisseur Steven Spielberg („E.T.“) auf die ursprünglichen Stärken – biblische Artefakte, Nazis und eine weniger penetrante, sogar auf Seiten der Bösen stehende Frauenfigur (Alison Doody, „Ein Mann wie Taffin“). Dazu wurde der Härtegrad reduziert, der humoristische Anteil erhöht und ein weiterer Jones in die Geschichte integriert: Henry Jones sen., verkörpert vom genüsslich die zweite Geige spielenden Altstar Sean Connery („Die Unbestechlichen“).

Er ist auch der Stein des Anstoßes, mehr noch sein Verschwinden. Den Anfang aber macht eine Rückblende in die Jugendzeit Indianas, dort gespielt vom 1993 verstorbenen Jungstar River Phoenix („Stand by Me“). Noch bei den Pfadfindern, versucht er vermeintlichen Grabräubern ihren wertvollen Fund abzuluchsen, was in einer wüsten Verfolgungsjagd über Stock, Stein und einen Zug voller Zirkustiere führt. So erfährt man nicht nur, woher Jones’ Furcht vor Schlangen rührt, sondern auch, wie er zu seinem angestammten Schlapphut kam. Das wesentliche Element der Erinnerung besteht aber in der Aufzeigung des distanzierten Verhältnisses zwischen Vater und Sohn, das bis in die Gegenwart des Films unverändert bleibt.

Nach Jahren der familiären Funkstille erhält Indiana, in dessen Rolle Harrison Ford („Frantic“) einmal mehr zu Hochform aufläuft, das Tagebuch des Vaters. In dem sind, ganz der Passion des Seniors entsprechend, Aufzeichnungen und Notizen zur Ermittlung des Hortes des Heiligen Grals aufgeführt. Noch ehe sich der Filius über die seltsame Sendung wundern kann, wird er vom undurchsichtigen Unternehmer Donovan (Julian Glover, „King Ralph“) beauftragt, den in Venedig spurlos verschwundenen Vater aufzuspüren, mehr noch dessen Arbeit fortzusetzen. Der Beginn einer turbulenten Hetzjagd über drei Kontinente.

Den beiden Vorgängern, damit verbunden auch dem Geist des mit Cliffhangern gespickten Trivialabenteuers verpflichtet, nimmt das Skript, diesmal geschrieben von Jeffrey Boam („Lethal Weapon 2 + 3“), wenig Rücksicht auf Logik. In rasantem Tempo hangelt sich der Plot von einer gefahrvollen Situation zur nächsten. Nachdem Indy in Venedig Witterung aufgenommen hat, befreit er den Vater aus einem Schloss der Nazis, flieht mit Zeppelin, Flugzeug und Motorrad und stattet gar Adolf Hitler persönlich einen Besuch in der Reichshauptstadt ab. Erlaubt ist, was Vergnügen bereitet. Und dahingehend gibt sich das Duo Lucas/Spielberg keine Blöße.

Actionreich und humorvoll, für amüsante Wortgefechte zwischen Junior und Senior Jones stets inne haltend, spinnt „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ den Horizont der Reihe fort. Neben selbstreferenziellen Anspielungen erfährt der Zuschauer nun auch, dass der Spitzname Indiana eigentlich dem Haushund der Familie Jones zu Eigen war. Somit kommt auch George Lucas in den Genuss später Genugtuung, basiert der eigenwillige Rufname des Helden doch auf dem eines Vierbeiners in Lucas Jugend. Und weil auch die beliebten Chargen Denholm Elliott („September“) – als Indys schusseliger Doktorenkollege Marcus Brody – und John Rhys-Davies („Sahara“) – als ägyptischer Unterstützer Sallah – mit von der Partie sind, erweisen sich die Bande zum wegweisenden Original als fest geknüpft. Hollywood-Kintopp in Vollendung.

Wertung: 10 out of 10 stars (10 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Alice: The Darkest Hour (D 2017)

    B-Filme aus deutscher Produktion haben Seltenheitswert. Die restriktive heimische Förderung unterstützt anspruchsarme Genre-Unterhaltung fast ausschließlich im komödiantischen Segment. Entsprechend bleiben Action, Horror und selbst Thriller fahrlässig unterrepräsentiert. Umso erfreulicher mutet da ein unabhängig gefertigtes Werk wie „Alice: The Darkest Hour“ an. Zumindest auf dem Papier. Denn der von Michael Effenberger („Seekers“) in Kooperation mit Thomas…

  • Unterwegs mit Jungs (USA 2001)

    Mit der Verfilmung von Beverly D’Onofrios autobiographischem Roman „Riding in Cars With Boys“ meldet sich Komödienexpertin Penny Marshall („Big“, „Eine Klasse für sich“) nach fünfjähriger Regieabstinenz solide bis eindrucksvoll zurück. Dass diesmal bisweilen eher dramatischer Boden beackert wird, sollte dabei nicht hinderlich erscheinen, denn Erfahrung auf diesem Gebiet sammelte die Erfolgsregisseurin bereits 1990 mit dem…

  • Verfluchtes Amsterdam (NL 1988)

    Alte Story, frisches Setting: Blut im Grachtenwasser Mit „Verfluchtes Amsterdam“ legte Dick Maas 1988 sein vermutlich prägendstes Werk vor. Der düstere Thriller bedient halsbrecherische US-Action-Schemata genauso wie die Rezeptur des Giallo. Und dann noch dieser Originaltitel: „Amsterdamned“. Das ist der Stoff, aus dem Exploitation-Träume gemacht sind! Und natürlich die Essenz von Maas‘ schöpferischer Kraft, die…

  • Illuminati – Angels & Demons (USA 2009)

    Habemus Hollywood. Du bist Deutschland, wir sind Papst und das kollektive Kanzlerinnen-Epitom gibt’s gratis obendrauf. Dan Brown ist, müßig zu erwähnen, Bestsellerautor und Tom Hanks erneut Robert Langdon. Der zweifache Oscar-Preisträger dürfte sich ob der wiederholten Berufung zum kombinationsstarken Symbolforscher kräftig ins Fäustchen gelacht haben. Denn die Geheimformel seiner Darbietung fußt auf dem Prinzip künstlerischer…

  • Cube Zero (CAN 2004)

    Vincenzo Natalis Low-Budget-Schocker „Cube“ von 1997 zählt zum Innovativsten, was das Genre des fantastischen Films in Jahren hervorgebracht hat. Von Andrzej Sekulas fünf Jahre später realisierter Fortsetzung „Hypercube“, mehr Remake denn Sequel, kann dies nicht behauptet werden. Einzige Neuerung stellte dabei der flüchtige Blick hinter die Kulissen des todbringenden Würfellabyrinths ins Auge eines totalitären Staatssystems…

  • Mit Herz und Hand (USA/NZ 2005)

    Alte Menschen sind überall! Hat nicht erst vor kurzem FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher auf mehreren hundert Seiten das „Methusalemkomplott“ beschrieen? Kommen nicht laut Statistik im Jahr 2020 auf jeden Leistungs- zwei Gebissträger? Da war es doch nur eine Frage der Zeit, bis sich die Generation 50+ im Kino breit macht. Einer der Filme, der die in…