Hügel der blutigen Stiefel (I 1969)

huegel-der-blutigen-stiefel„Hügel der blutigen Stiefel“ ist ein Film mit Staubschicht. Ohne das Mitwirken von Bud Spencer und Terence Hill („Die rechte und die linke Hand des Teufels“) wäre er wohl längst in Vergessenheit geraten. Wie so viele andere der im Überfluss produzierten europäischen Western. Auf diese Weise aber kann er ein gewisses Interesse aufrecht erhalten, was auch dem Umstand geschuldet bleibt, dass er die (inoffizielle) „Trinity“-Reihe komplettiert. Vorausgegangen waren ihm „Gott vergibt – wir beide nie!“ und „Vier für ein Ave Maria“, die ebenfalls von Giuseppe Colizzi erdacht und umgesetzt wurden.

Cat Stevens (Hill), den die deutsche Synchronisation auch schon mal zu einem weiteren Django kürte, wird von Banditen gehetzt. Während eines Fluchtversuchs wird er angeschossen, doch gelingt es ihm bei einem unweit gastierenden Zirkus Unterschlupf zu suchen. In Akrobat Thomas (Woody Strode, „Keoma“) findet er einen Verbündeten, als weitere Halunken den Treck des fahrenden Volkes nach ihm durchforsten. Kurz darauf töten neuerlich auftauchende Schergen einen der Hochseilartisten inmitten einer voll besetzen Vorstellung. Thomas sinnt auf Rache, wofür er den zuvor verschwundenen Cat aufspürt. Er benötigt den Verwundeten als Köder, schließlich sind die Mörder noch immer hinter ihm her.

Die Geschichte wirkt unnötig aufgeblasen, streckenweise gar verwirrend, weil Colizzi keine zusammenhängende Narration gelingt. Dem Rachegedanken folgt bald der Beschützerinstinkt, als die beiden, mittlerweile ergänzt durch Cats alten Kumpan Hutch (verschenkt: Spencer), in den Abgrund der Machenschaften von Unternehmer Fisher (Victor Buono, „Rückkehr zum Planet der Affen“) blicken. Der terrorisiert mit seinem Gefolge, zu dem auch die von Thomas gesuchten Mörder zählen, eine Goldschürfregion und reißt mit unsittlichen Methoden den Grundbesitz der Bergarbeiter an sich. Mit Hilfe der Zirkustruppe wollen Cat und seine Getreuen den Banditen das Handwerk legen.

Der grundsolide Spaghetti-Western, den Vorgängern entsprechend mit einem wortkargen Terence Hill versehen, weist ordentliche Regie- und Darstellerleistungen auf, lässt abseits der verworrenen Handlung aber das nötige Tempo vermissen. Bleihaltig wird’s erst im Showdown, was der Kurzweil nur bedingt zuspielt. Jedoch passt sich der Film damit der Erscheinung von Bösewicht Fisher an. Der dirigiert und manipuliert wie ein großer Unternehmer, macht sich aber nie selbst die Finger schmutzig. Das mag der Realität näher kommen als die meisten seiner durchtriebenen Genrekollegen, der Duckmäuser als schurkischer Drahtzieher wirkt dennoch spürbar deplatziert.

Unter dem Titel „Zwei hau´n auf den Putz“ wurde dem Streifen auch eine humorige Synchronisation spendiert. Viel zu lachen gibt es aufgrund der eher düster gehaltenen Atmosphäre – unterstützt durch stimmigen Schnitt und gute Kamera – allerdings nicht. Dazu gesellt sich Carlo Rustichellis („Mit Django kam der Tod“) untypischer Soundtrack, bei dem neben folkloristischen Elementen auch vermehrt solche des Jazz Verwendung finden. Der letzte „klassische“ Italo-Western des Gespannes Spencer/Hill ist nicht durchweg überzeugend, aber doch allemal sehenswert.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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