Ghostbusters (USA 2016)

„I’m just looking for a reasonable ratio of wontons to soup. This is madness!“ – Abby

Es gibt nur wenige Remakes/Reboots, die der Qualität ihres Originals gerecht werden. Aus kommerzieller Perspektive erscheint es zweifelsfrei sinnhaft, Erfolgsrezepte der Vergangenheit für eine neue Generation modernisiert aufzubereiten. Der schmale Grat zwischen gelungener Hommage und eigenständiger Interpretation stellt viele Abbild-Produktionen jedoch vor kaum zu bewältigende Herausforderungen. Bestes Beispiel: die vielgescholtene und wahrlich in großem Stil misslungene Neuauflage des Fantasy-Komödienklassikers „Ghostbusters“ (1984).

Das Problem der von Paul Feig („Brautalarm“) für stattliche 144 Millionen Dollar realisierten – und finanziell gescheiterten – Neuverfilmung liegt nicht, wie häufig betont, in der komplett weiblichen Hauptbesetzung; wenngleich zweifelsfrei attestiert werden muss, dass das Potential der Comedy-Granden Kristen Wiig („Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“) und Melissa McCarthy („Taffe Mädels“) sträflich unausgeschöpft bleibt. Der Knackpunkt des effektreichen Spektakels ist vielmehr die Tonlage des von Feig co-verfassten Skripts, das ausschließlich auf Klamauk am Rande der Hysterie setzt und eine erschreckende Fülle der ohnehin infantilen Gags grundlos zerredet (man beachte den krampfig unlustigen Running Gag des einzelnen Wan-Tans bei Bestellungen chinesischen Essens). 

So mangelt es der Erzählung nicht allein im überlangen, stolze 135 Minuten umspannenden „Extended Cut“ merklich an Rhythmus. Bevor die Geisterjägerinnen ihre Arbeit aufnehmen, steht jedoch die obligatorische Teambildung: Erin Gilbert (Wiig) und Abby Yates (McCarthy) sind alte Bekannte, die Jahre zuvor gemeinsam ein Buch über paranormale Phänomene geschrieben haben, das der vor einer Universitätsanstellung als Physikerin stehenden Erin nun merklich peinlich ist. Als ihr Vorgesetzter wirkt Charakterdarsteller Charles Dance („The Imitation Game“) mit. Er steht, wie auch Nebendarsteller des Kalibers Ed Begley Jr. („Whatever Works“), Michael Kenneth Williams („Boardwalk Empire“) oder Matt Walsh („Veep“), für den fahrlässigen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen. 

„Never compare me to the mayor in Jaws! Never!“ – Bürgermeister Bradley

Erin benötigt eine Geistererscheinung (mit schleimigem Kotzschwall), um Abby und die spleenige Techniktüftlerin Jillian Holtzman (Kate McKinnon, „Bad Spies“) bei der Jagd nach ektoplastischen Gefahrquellen zu unterstützen. Komplettiert wird die Gruppe von Patty Tolan (Leslie Jones, „Dating Queen“), die als Fahrscheinverkäuferin in der U-Bahn selbst Zeuge wird, wie ein Geist seinen Weg in die reale Welt findet. Dass er nicht der einzige ist, liegt an Rowan North (Neil Casey, „Inside Amy Schumer“), der Böses im Schilde führt, dabei jedoch frühzeitig offenbart, dass seine Figur als Widerpart des Heldengespanns gänzlich uninspiriert bleibt. 

Auf dem Weg zur zwangsläufigen, CGI-überladenen Konfrontation müssen die Geisterjägerinnen erst eine alte Feuerwache als Kommandozentrale beziehen, den tumben Schönling Kevin (mit Wonne gegen das „Thor“-Image: Chris Hemsworth) als Sekretär einstellen und erleiden, dass Bürgermeister Bradley (Andy Garcia, „Ocean’s Eleven“) erste Heldentaten als Scharlatanerie abkanzelt. Doch New York ist auf den Einsatz der Ghostbusters angewiesen, wenn Rowan die Barriere zwischen Diesseits und Jenseits aufweicht und gefährlichen Erscheinungen (darunter der altbekannte Slimer) ermöglicht, die Welt der Menschen heimzusuchen.

Zugegeben, der Film hält moderat bei der Stange, wirkt viel zu oft aber wie ein Unfall, von dem man den Blick nicht abwenden kann. Das belegen auch die Cameo-Auftritte der Darsteller des um Welten besseren Vorläufers. Während die erst im Abspann auftauchende Sigourney Weaver noch am besten davonkommt, fallen die Kurzauftritte von Dan Aykroyd, Ernie Hudson und Annie Potts in die Kategorie „leidlich amüsant“. Bill Murray hingegen wird auf eine Weise verheizt, die fast Schmerzen bereitet. Szenen wie diese können stellvertretend für ein verkorkstes Werk bemüht werden, das seine Möglichkeiten mit verblüffender Vehemenz vergeudet. Bedauerlich ist das vor allem aufgrund der immerhin bemühten Darstellerriege.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Ca$h (USA 2010)

    Die Wirkung eines einzigen kleinen Blutflecks auf der Oberbekleidung sollte nicht unterschätzt werden. Bei Pyke Cubic (Sean Bean, „Herr der Ringe“) ist er Druckmittel und zugleich Zeichen konstanter Bedrohung. Die Stimme des adrett gekleideten Briten ist stets gefasst. Einschüchternd wirkt er dennoch, durch eine Direktheit, die verunsichert und Widerstand als optionale Handlungsmöglichkeit schlicht ausschließt. Wer…

  • Flashback – Mörderische Ferien (D 2000)

    Dass Slasherfilme unoriginell, vorhersehbar und stets nach gleichem Muster gestrickt sind, mindert ihre potenzielle Erfolgsaufsicht nicht. Da Deutschlands Filmwirtschaft aber beinahe jeden Trend verschläft, ist blutiger Horror in teutonischen Lichtspielhäusern chronisch unterrepräsentiert. Durch die von „Scream“ entfachte zweite große Welle kam das Genre auf nationalem Sektor überhaupt erst zum tragen. Ein erster Gehversuch war die…

  • Halloween (USA 2018)

    „He’s waited for this night. He’s waited for me. I’ve waited for him.” – Laurie Strode Wow, ein „Halloween“-Aufguss mit Jamie-Lee Curtis. Das gab es noch nie! Außer in Teil zwei, sieben und acht. Doch der jüngste Part der Saga ist komplett anders, weil er sämtliche Nachfolger des Originals missachtet und damit das einzig wahre…

  • French Connection II (USA 1975)

    Vier Jahre nach seinem Durchbruch in „French Connection“ kehrte Oscar-Preisträger Gene Hackman als ´Popeye´ Doyle auf die Leinwand zurück. Die Fortsetzung des Klassikers besorgte John Frankenheimer („Die Prophezeiung“), wie Vorgänger William Friedkin ein meist um Realismus bemühter Handwerker. So erweist sich auch seine Handschrift als Ideal für den authentischen Stoff, der Doyle in zweiter Instanz…

  • Dragon Fire (USA 1993)

    „Okay ihr Diebe, ihr Massenmörder, Hurenböcke und Tunten, Willkommen im Ring.“ – der Zeremonienmeister Wenn Verleihcover den Mund zu voll nehmen: Dominic LaBanca, so zitiert der Klappentext soll die Van Dammes, die Seagals vergessen machen. So einer müsste doch das Zeug zum Star haben rauscht es durch den Sinn. Aber Moment, wir wandeln doch durch…

  • Cyborg (USA 1989)

    Wenn Fachmänner der Güteklasse Jean-Claude Van Damme und Albert Pyun aufeinander treffen und nicht vorhandenes Talent kreuzen, kommt in der Regel ausgemachter Bockmist heraus. Zu einer Zeit, als der belgische Fußfeger ein aufsteigender B-Actionstar war und die „Regie-Legende“ Pyun gerade in die Niederungen filmischen Schaffens vordrang, kam es 1989 zur bislang einzigen Zusammenarbeit dieser herausragenden…