Filth – Drecksau (GB/USA/D/SE/B 2013)

drecksau„There is something wrong with me. There is something seriously wrong with me.“ – Mit später Einsicht: Bruce

Bruce Robertson ist eine Drecksau. Nein, nicht aufgrund seiner Profession als Polizist, sondern weil er auf Recht und Moral pfeift. Dass Sex und Drogen dabei eine wesentliche Rolle spielen, lässt sich bereits an der Urheberschaft von „Trainspotting“-Autor Irvine Welsh erkennen. Auf dessen Roman „Filth“ basiert Jon S. Bairds („Cass – Legend of a Hooligan“) Verfilmung, die eine Art grotesk übersteigerter „Bad Lieutenant“-Variante entspricht. In der Hauptrolle glänzt James McAvoy („Enemies – Welcome to the Punch“), der den Titel – egal ob original oder eingedeutscht – mit anarchischer Abgründigkeit umsetzt.

Jener Bruce Robertson, Beamter in Edinburgh, frönt Koks und Hurerei, Suff und Korruption. Für den persönlichen Vorteil ist ihm jedes Mittel recht. Das zeigt sich, als er für die angestrebte Beförderung perfide Methoden entwickelt, die konkurrierenden Kollegen – darunter Jamie Bell („der Adler der neunten Legion“) und Imogen Poots („Fright Night“) – auszustechen. Dem Ziel nahe wähnt er sich, als ihn der Vorgesetzte mit der Aufklärung des Mordes an einem japanischen Studenten betraut. Die Ermittlung aber bleibt bestenfalls nebensächlich. Denn die immer stärkere Konfrontation mit seinen inneren Dämonen stürzt Bruce in einen selbstzerstörerischen Mahlstrom.

Die rastlose Visualität nimmt den Zuschauer mit auf eine enthemmte Reise in dessen Bewusstsein. In dem hat Jim Broadbent („The Iron Lady“) als durchgeknallter Psychiater ebenso seinen Platz wie Halluzinationen, bei denen sich Bettgespielinnen auch mal in ein Schwein oder Adolf Hitler verwandeln. Macht spielt Bruce nur bei schwächeren aus, insbesondere beim biederen Clifford (Eddie Marsan, „The World’s End“), dessen Frau er mit obszönen Telefonaten terrorisiert. Der Absturz bleibt unabwendbar, die von Zufallsbekanntschaft Mary (Joanne Froggatt, „Downton Abbey“) verkörperte Unschuld zu flüchtig, als dass Bruce noch Erlösung zuteil werden könnte.

In flüchtigen, meist kurzen Episoden, wird das gestörte Wesen des verlotterten Cops durchleuchtet. Inszenatorisch orientiert sich Regisseur und Skriptschreiber Baird sichtlich an Danny Boyles klassischer Welsh-Adaption „Trainspotting“. Das Ergebnis ist grundlegend überzeugend, nur wirkt die abgefuckte Lässigkeit, mit der Wahn und Wirklichkeit verschwimmen, bisweilen zu kalkuliert gegen den konventionellen Strich gebürstet. Verwundern muss das nicht, schrieb Welsh seinen Roman doch aus der Sicht eines Bandwurms (!). Für die Verfilmbarkeit unüberwindbare Hürden wie diese führen selbstredend zu Auslassungen und Raffungen. Ein überragendes Werk destilliert Baird daraus nicht. Sehenswert bleibt das zügellos abgründige Drama dennoch.

Wertung: (7 / 10)

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