Faces of Death – Gesichter des Todes (USA 1978)

facesofdeathDer Tod fasziniert seit Menschengedenken. Nicht allein aufgrund der philosophischen Frage nach dem danach und der Klammerung an den Wunschgedanken eines unsterblichen Seelenteils, sondern auch hinsichtlich des tatsächlichen Ablebens. Dem Prozess des Sterbens hat John Alan Schwartz den pseudo-dokumentarischen Schocker „Faces of Death“ gewidmet, in dem ein wissensdurstiger (und reichlich gestelzt daherkommender) Pathologe (Michael Carr) verschiedene Facetten, also „Gesichter des Todes“ in einer Collage des Grauens zusammenführt.

Natürlich ist diese Prämisse lediglich ein Vorwand, um die Zuspitzung des Mondo-Films nicht unverzüglich als bloße Zurschaustellung möglichst vielfältiger Gräuel- und Bluttaten entblößen zu können. Eben dieser Selbstzweck aber scheint allgegenwärtig, sei es nun beim Blick auf Leichen oder über die Schulter der Schulmedizin bei der Organverpflanzung. Der ominöse Doktor Gröss jedenfalls führt als Erzähler durch dies mit Nachdruck als Studie ausgewiesene Panoptikum der Abgründigkeit. Schaden nimmt dabei vor allem das selbstattestierte Echtheitszertifikat.

Denn authentisch, mehr noch „echt“ ist in diesem Film (vom erschütternden Archivmaterial aus der NS-Zeit abgesehen) nahezu gar nichts. Der Intention mag das erst einmal keinen Schaden zufügen, dreht aber lustvoll derjenigen Klientel eine lange Nase, die sich am realen Sterben zu ergötzen gedenkt. Tatsächlich kann man dem Film eine gewisse Morbidität nicht absprechen. Nur wird diese über den kruden thematischen Rundumschlag, der auch noch vorgibt einem festen Schema (vom natürlichen Tod geht es über den gewaltsamen bis zum bürokratisierten Genozid des Nazi-Regimes) zu folgen, einfach zu offenkundig mit dem Holzhammer in die Köpfe der Zuschauer getrieben.

Der Hundekampf oder das geköpfte Huhn mögen ob der tierischen Beteiligung noch Anstoß erregen – wohingegen die Verköstigung des Affenhirns mit vorhergehender Schädelöffnung in Machart und schauspielerischer Darbietungskunst fast unfreiwillig komisch wirkt. Das große Dilemma des Films zeigt sich in der anvisierten Schockwirkung der von pseudowissenschaftlichen Ausführungen des Doktors begleiteten Todesszenarien. Denn die sind nur allzu leicht als plumpe Inszenierung – und damit verbunden als exploitatives Futter für voyeuristische Gaffer zu entlarven.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

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