Eye of the Cat – Grüne Augen in der Nacht (USA 1969)

gruene-augen-in-der-nacht„It`s not a good idea to take cats lightly.“ – Wiley

Sind Katzen die besseren Erben? Zumindest die dankbareren, planen sie doch nicht gleich die Ermordung des testamentarischen Gönners. Im Thriller „Eye of the Cat“ gedenkt die vermögende wie totkranke Danny (Eleanor Parker, „Das Tal der Könige“) ihren weltlichen Besitz tatsächlich einem Rudel Stubentiger zu vermachen. Leer ausgehen soll Neffe Luke (Tim Henry, „Blutsverwandte“), der sich um die undankbare Verwandte mit gleichmütiger Selbstverständlichkeit kümmert. Die Situation ändern könnte Bruder Wylie (Michael Sarrazin, „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“), ein sorgloser Lebemann, der die familiären Bande vor Jahren kappte.

Ausgerechnet bei ihm taucht eines Abends die reizende Kassia (Gayle Hunnicutt, „Tanz der Totenköpfe“) auf und unterbreitet ihm ein unmoralisches Angebot: Mit ihr als Komplizin soll Wylie in den Schoß der reichen Tante zurückkehren, die ihn als verloren geglaubten Lieblingsneffen sogleich als Alleinerben in ihr Testament eintragen ließe. Kassia selbst würde sich im Sinne des raschen Geldsegens anschließend um die Beseitigung Dannys kümmern. Der perfide Plan hat allerdings einen entscheidenden Haken – die Katzen, die der unter Aelurophobie leidende Wylie durch ein Kindheitstrauma fürchtet wie nichts auf der Welt.

Zunächst aber läuft alles wie von Kassia vorhergesagt. Die lungenkranke Danny, die ihre Tage im Rollstuhl und die Nächte im Sauerstoffzelt verbringt, ist von der unverhofften Rückkehr des Neffen überwältigt und veranlasst rasch die Änderung ihres Testaments. Am Ziel angelangt, scheint Wylie am Tode der Tante aber gar kein Interesse mehr zu haben. Ganz im Gegensatz zu Kassia, die ein doppeltes Spiel treibt und für den anvisierten Reichtum alles tun würde. Zwischen ihr und dem Ableben Dannys steht jedoch eine besonders schlaue Katze, die beim samtpfotigen Gang durch Hitchcocks Spuren ein entscheidendes Wörtchen mitzufauchen hat.

Mit Eleganz, schmissigem 60`s-Flair und optischen Extravaganzen wie Split Screens erzählt David Lowell Rich („Airport ´80 – Die Concorde“) eine Geschichte, die in ihrer dramaturgischen Verquickung gänzlich unglaubwürdig erscheint. Allerdings will der Regisseur auch nicht aus dem Leben greifen, sondern einen stilsicher und atmosphärisch packend gestalteten Grusel-Krimi servieren, der mit Schattenspielen und dem gelungenen Score Lalo Schifrins („Dirty Harry“) zusätzliche Reizpunkte bietet. Zwar ist der finale Twist vorhersehbar und die Klimax etwas unspektakulär geraten, der gut gespielte und klasse inszenierte Katzen-Thriller bleibt dennoch durchweg sehenswert. Schade nur, dass er weltweit (fast) ganzheitlich in Vergessenheit geraten ist.

Wertung: (7 / 10)

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