Engst – Flächenbrand (2018, Arising Empire/Nuclear Blast/Warner)

Den Rock im Punk loten viele Bands aus. Den Punk im Rock hingegen überschaubar wenige. Bereits das macht „Flächenbrand“, den Debütlangspieler der Berliner Formation ENGST interessant. Damit ist aber längst nicht alles gesagt. Denn auch Pop und (vereinzelt) Ska finden ihren Platz im musikalischen Wirken des Vierers. Der Anfangsverdacht einer weiteren Deutsch-Rock-Combo wird schnell entkräftet. Durch die sich öffnende Melodik und gleichermaßen die Texte. Wo viele Verfechter der „Neuen Deutschen Härte“ auf Grauzone setzen, ist die glasklare politische Positionierung bei ENGST Programm.

Im fröhlichen, von Pfeifen und Bläsern untermalten „Optimisten“ wird augenzwinkernd mit der Gegenwartskultur abgerechnet, in „Mit Raketen auf Spatzen“ AfD & Co. eingeschenkt. Auch in „Morgen geht die Welt unter“ und „Fremdes Elend“ wird nicht an kritischen Tönen gespart. Verpackt werden diese in leicht goutierbare Klänge mit stattlicher Eingängigkeit. Wer denn unbedingt möchte, kann hier das Haar in der Suppe finden. Denn mehr Ecken und Kanten dürften es sicher sein. Doch selbst wenn ENGST auf „Flächenbrand“ oftmals den Weg des geringeren Widerstands gehen, darf ihnen das Bestreben, ein möglichst breites Publikum ansprechen zu wollen, kaum negativ ausgelegt werden.

Die übrigen, sich wahlweise Lebenslust, Beziehungsnöten oder verflossener Liebe widmenden Songs pochen solide auf thematische Abwechslung und sind textlich clever genug gestaltet, um sich punktuell in den Gehörgängen festzufressen. Zu verdanken ist das auch der vornehmlich reibeisenfreien Stimme von Frontmann Matthias Engst. Der ist ehemaliger Gewinner der Castingshow „Die Band“, wählte in der Folge jedoch lieber den Pfad der ungebundenen kreativen Entwicklung. Die erste Platte unter seinem Namen gibt der Abfuhr an fremdbestimmte Kommerzunterhaltung zweifelsfrei Recht. Zwischen Kraft und Emotion eine sichere Bank für alle Hörer, die es auch mal sanft rockig brauchen.

Wertung: (7 / 10)

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