Elysium (USA 2013)

elysiumdamonMit „District 9“ empfahl sich der südafrikanische Filmemacher Neill Blomkamp als neue Hoffnung des Science-Fiction-Kinos. Seine mit finanzieller Unterstützung von Peter Jackson realisierte hintersinnige Apartheitsallegorie erreichte trotz überschaubaren Budgets Blockbuster-Niveau und öffnete ihm die Pforten nach Hollywood. Für sein Folgewerk „Elysium“ konnte er bereits über ein stolzes Budget von 115 Millionen Dollar verfügen – fast viermal so viel wie beim Erstling – und eine beachtliche Darstellerriege um die Oscar-Preisträger Matt Damon („Good Will Hunting“) und Jodie Foster („Das Schweigen der Lämmer“) dirigieren.

Mit visueller Wucht und einer eigenwilligen Motivsammlung von „Battle Angel Alita“ bis „Johnny Mnemonic“ macht der Streifen Eindruck. Bedauerlicherweise opfert Blomkamp den Anspruch der Geschichte für ein finales Actiongewitter. Die Story blickt ins Jahr 2154. Die Erde ist ausgebeutet und heillos übervölkert. Wer es sich leisten kann, lebt auf der paradiesischen Raumstation Elysium, wo sämtliche Krankheiten heilende häusliche Stationen dafür sorgen, dass sich die Reichen und Mächtigen lange an den Früchten ihrer Privilegien erfreuen können. Die Drecksarbeit jedoch wird auf der verödeten Erde verrichtet.

Als die kaltblütige Sicherheitschefin Delacourt (Foster) nach der Macht über Elysium greift, spielt sie dem von Julio (Diego Luna, „Contraband“) geführten Widerstand auf dem ehemals blauen Planeten einen entscheidenden Trumpf zu. Schlüsselfigur der Rebellen wird der Ex-Kriminelle Max (Damon), der in einem Roboterwerk Schwerstarbeit verrichtet und bei einem Unfall radioaktiv verstrahlt wird. Die einzige Chance auf Heilung ist eine der vitalitätsspendenden Apparaturen Elysiums. Um die zu erreichen, ist Max gewillt jedes Risiko einzugehen, was im Sinne des „Body Horror“ die Anflanschung eines Roboter-Skeletts auf den eigenen Leib zur entscheidenden Verbesserung der Physis bedeutet.

Um die Enterung von Elysium möglich zu machen, bedarf es der Entführung eines Vertreters der dort ansässigen Bourgeoisie. Die Wahl fällt auf den Industriellen Carlyle (William Fichtner, „The Lone Ranger“), dessen Hirn Max anzapfen und die Daten auf einer an den eigenen Denkapparat angedockten Festplatte speichern soll. Was die Umstürzler jedoch nicht ahnen: Carlyle kooperiert mit Delacourt und hütet einen Code, der das komplette Sicherheitssystem der Raumstation außer Kraft setzen kann. Zwar gelingt der Raubzug der Rebellen, doch sehen die sich plötzlich mit dem unrasierten soziopathischen Elitesoldaten Kruger („District 9“-Star Sharlto Copley) konfrontiert.

Der will buchstäblich Max‘ Kopf und entführt dafür sogar dessen Waisenhausfreundin, die Ärztin Frey (Alice Braga, „I Am Legend“), deren todkranke Tochter ebenfalls von den Heilungstechnologien auf Elysium profitieren würde. Im dekadenten Vorgarten der Oberschicht entfesselt Blomkamp einen actionlastigen Showdown, der die  angehäuften Konflikte mit Wumms, tricktechnischer Finesse und (wiederum) explodierenden Körpern löst. Der starken Herleitung dieses menschenfeindlichen Zukunftsausblickes mit seinen bedrückenden Bildern von Übervölkerung und mit Graffiti beschmierter Ghettoisierung wird die Auflösung im Blockbuster-Stil allerdings nicht gerecht.

Vor allem, weil das Duell zwischen Antiheld Damon und Killer Copley in konventioneller körperlicher Konfrontation eskaliert. Blomkamp lässt am Ende jede Doppelbödigkeit außer Acht, reißt die frostige Foster abrupt aus der Handlung und öffnet sich Klischees, die seine im Anlauf clever konstruierte Dystopie ihres Nachhalls berauben. Stimmungsvoll bebildert und gut besetzt (u.a. mit Wagner Moura, „Elite Squad”), am Ende aber überraschungsfrei und krawallbetont – insgesamt sehenswert, aber letztlich doch hinter den eigenen Möglichkeiten zurückfallend.

Wertung: (6,5 / 10)

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