Chappie (USA/MEX 2015)

chappie„What’s up, fuck mother?“ – Nicht nur beim Slang individuell: Chappie

Mit seinem Kinoerstling „District 9“ (2009) avancierte Neill Blomkamp zur neuen Hoffnung der Science-Fiction. Das daran gekoppelte Versprechen vermochte er mit dem folgenden „Elysium“ (2013) zwar nicht vollends einzuhalten, der Status des intelligenten Blockbuster-Schöpfers blieb dennoch intakt. Bei seinem Drittwerk „Chappie“ sind die Abnutzungserscheinungen jedoch nicht mehr von der Hand zu weisen. Denn die eigenwillige Vermengung von Motiven der Klassiker „Nummer 5 lebt“ und „RoboCop“ sowie dem Geiste von Isaac Asimovs „I, Robot“ bleibt insbesondere aufgrund der allzu simplen Emotionalität deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück. Verstärkt wird die Unwucht der gefühligen, betont bildgewaltigen und perfekt getricksten Dystopie durch einen unnötig actionlastigen und im Detail zudem überflüssig brutalen Schlussakt.

Der Schauplatz ist wieder das Johannesburg einer nahen Zukunft. Ein Übermaß an Gewalt gegenüber Polizeikräften hat zum Einsatz der „Scouts“ geführt, effektiven Robotereinheiten, die nur einem Zweck dienen: der Eindämmung des Verbrechens. Vater des Erfolgs ist der junge Wissenschaftler Deon Wilson (Dev Patel, „Die Legende von Aang“), der die Maschinen für den Rüstungskonzern Tetravaal entwickelt hat. Ausgestochen hat er damit den Ex-Soldaten Vincent (ungewohnt fies: Hugh Jackman, „Real Steel“), dessen Schöpfung des bulligen, per menschlichem Gedankenstrom befehligten Kampfroboters MOOSE die Finanzmittel gekappt wurden. Doch Deon ist weniger am militärischen Nutzen seiner Erfindung gelegen, als vielmehr einer sich selbstständig weiterentwickelnden künstlichen Intelligenz.

Als er diese tatsächlich schafft, verweigert ihm Konzernvorstand Michelle Bradley (Genre-Altstar Sigourney Weaver, „Alien“) die versuchsweise Nutzung des im Einsatz stark beschädigten Scout-Modells Nummer 22. Deon aber entwendet den Roboter, nur um darauf von den Kleingangstern Ninja und Yo-Landi (das südafrikanische Hip-Hop-Duo Die Antwoord) sowie Amerika (Jose Pablo Cantillo, „The Walking Dead“) als Geisel genommen zu werden. Die wollen eigentlich eine Gerätschaft, mit der sich die Scouts ausschalten lassen, begnügen sich jedoch ersatzweise mit dem bald Chappie getauften und wie ein Kind von Grund auf lernenden Roboter (mit der Stimme und den per Motion Capture eingefangenen Bewegungen von Blomkamp-Regularie Sharlto Copley). Auf dessen Spur gerät bald auch Vincent, der einen bösen Plan ausheckt, um die Scouts zu sabotieren und im aufziehenden Chaos mit MOOSE als Held zu glänzen.

Der sensible Chappie  macht als Gegenentwurf zur klassischen Kampfdrohne eine gute Figur. Nur vollzieht sich seine Entwicklung (samt flüchtig abgehandelter Seelensuche) unter zu starker Einbindung des bedingt sympathischen und – im Falle von Die Antwoord auch wenig überzeugend gespielten – Verbrecher-Trios. Dessen Einfluss führt bald dazu, dass sich Chappie Ghetto-Posen und eigenwillig variierte Gossensprache zu eigen macht. Das mag im Geiste von „Baymax“ vereinzelt humorig erscheinen, bleibt insgesamt aber einer überraschend ideenlosen Schwarz-Weiß-Dramaturgie unterworfen. Zusätzliche Konflikte mit Deon resultieren aus der Verschmelzung von Chappies Batterie mit dem Korpus, die ihm lediglich eine Lebensspanne von wenigen Tagen eröffnet. Das daran gekoppelte Finale müht sich um Tragik und Tiefsinn, wirkt nur ebenso wenig förderlich wie die dezent vergeudeten Nebendarsteller Jackman und Weaver. Schlussendlich nicht visionär, sondern einfach unausgegoren.

Wertung: (5 / 10)

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