Hotel Artemis (USA/GB 2018)

Willkommen im Hotel Artemis. Service am Kunden wird hier großgeschrieben. Die Klientel allerdings ist äußerst exklusiv: Zutritt haben allein Mitglieder. Und die suchen das in einem heruntergekommenen Gebäudekomplex in Los Angeles ansässige Etablissement keineswegs zum Vergnügen auf, sondern ausschließlich bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die bringen das Leben als Berufsverbrecher nun einmal mit sich. Betrieben wird das Geheim-Hospiz für Kriminelle von der alternden Ärztin Jean Thomas (Oscar-Preisträgerin Jodie Foster, „Das Schweigen der Lämmer“). Die ist pflichtbewusst, ein wenig verschroben und seit dem Jahrzehnte zurückliegenden Tod ihres Sohnes merklich in sich gekehrt.

Ihr räumliches Hoheitsgebiet verlässt sie nie. Angstzustände halten sie davon ab. Die Ambivalenz ihrer Figur und nicht zuletzt der Besetzungscoup mit Foster erweisen sich als solides Fundament. Bedauerlicherweise setzt die darauf errichtete Geschichte kaum die richtigen Schwerpunkte und verschenkt letztlich das Potential eines kurzweiligen Pulp-Thrillers mit Sci-Fi-Einschlag. Die letztgenannte Komponente äußert sich – neben der Verortung im Jahr 2028 – vorrangig in technischem Equipment, mit dem Jean auch ohne komplette Krankenhausbesetzung in Nullkommanichts Befunde erstellen, Patienten operieren oder Organe drucken kann. Daneben ist es das Gesellschaftsbild, das die zürnende Bürgerschaft ob dem verweigerten Zugang zu Trinkwasserressourcen auf die Straße treibt.

Während draußen der Mob tobt und dem Outlaw-Sanatorium allmählich näher kommt, kümmert sich Jean mit dem hünenhaften Pfleger Everest (Dave Bautista, „Guardians of the Galaxy“) um ihre erlesene, aus Verschwiegenheitsgründen mit den Namen der belegten Zimmer bedachte Klientel. Die besteht anfangs lediglich aus dem überheblichen Waffenschieber Acapulco (Charlie Day, „Kill the Boss“) und Killerin Nice (Sofia Boutella, „Kingsman – The Secret Service“). Eine weitere Suite beansprucht der bei einem missglückten Banküberfall schwer verletzte Bruder (Brian Tyree Henry, „Widows“) des eigentlich aus Verbrecherkreisen ausgestiegenen Sherman (Sterling K. Brown, „Predator – Upgrade“). In helle Aufregung geraten Personal und „Gäste“, als sich der verwundete Gangsterboss Wolfking (Jeff Goldblum, „Thor: Tag der Entscheidung“) ankündigt. Mit ihm sind die Anwesenden, mal wissentlich, mal nicht, auf schicksalhaften Wegen verbandelt.

Das führt naturgemäß zu Konflikten, die sich in offener, ironisch überspitzter Gewaltausübung entladen. Bedauerlicherweise versäumt es Autor, Regisseur und Produzent Drew Pearce (ersann u. a. das Skript zu „Iron Man 3“) dabei, dem Vorlauf die nötige Dynamik zu bescheren. Bei einer Laufzeit von rund 90 Minuten ist das wahrlich kein Pluspunkt. Der Nebenplot um die verletzte, mit Jean bekannte Polizistin Morgan (Jenny Slate, „Venom“) etwa wirkt wie ein Bremsklotz. Auch Days großmäuliger, betont übersteigert figurierter Möchtegern-Gangster erhält deutlich zu viel Augenmerk. Dem gegenüber erscheint der Auftritt Goldblums geradewegs übereilt abgehandelt. Und Zachary Quinto („Star Trek“) wirkt als dessen minderbegabter Sohn komplett verschenkt. Raus reißt es die Foster, der man in allen Gemüts- und Gefahrlagen gern zusieht. Das allein genügt jedoch nicht, um „Hotel Artemis“ in seiner räumlich verspielt beengten Szenerie vom Muff der Mittelmäßigkeit zu befreien.

Wertung: (5,5 / 10)

scroll to top