Django kennt kein Erbarmen (I/E 1966)

django-kennt-kein-erbarmenDer Italo-Western schwang sich gerade zu voller Blüte auf, als Antonio De Teffé („Sartana“) seinen Einstand als Django feierte. Dem Titel wird er damit allerdings nicht gerecht, orientiert sich „Django kennt kein Erbarmen“ doch sichtlich an amerikanischen Gepflogenheiten rechtschaffender Revolverhelden. Zwar mit schwarzen Flecken auf der weißen Weste des Titelhelden, insgesamt aber zu konventionell, um wirklich eigene Wege beschreiten zu können.

Obwohl León Klimovsky („Django – unersättlich wie der Satan“) die Rolle des Regisseurs zugeschoben wird, inszenierte Regieassistent Enzo G. Castellari („Keoma“) den Großteil des Films. Er ist auch in einer Komparsenrolle zu sehen, wird aber nach Sekunden bereits mit Kugeln gespickt. Für diese und andere Taten ist Django verantwortlich, der doch eigentlich Regan heißt. Von Berufswegen ist der Kopfgeldjäger auf die Schärfe seiner Instinkte angewiesen. Und die braucht er auch, als er sich gleich zu Beginn mit List und Tücke die Prämien einiger gesuchter Verbrecher sichert.

Sein Auftraggeber ist die Bank, der 100.000 Dollar entwendet wurden. Einer der Schurken soll sich noch auf freiem Fuß befinden. Also wird Django nach Montana gesandt, den Banditen zur Strecke zu bringen. Unterwegs findet sich ein Leichnam mit Sheriffstern, den er sich zu gern selbst anheftet. Denn vor Ort verfährt man mit Bountyhuntern wenig zimperlich. Die Tarnung geht auf, birgt aber erhöhten Arbeitseinsatz. Denn der falsche Gesetzeshüter gerät unvermittelt zwischen die Fronten eines regelrechten Kleinkrieges zwischen Rinderbaron Brownsberg (Alfonso Rojas, „Tampeko, der Dollar hat 2 Seiten“) und ansässigen Siedlern.

Um Innovationspreise buhlt die selten originelle Geschichte nicht. Die Fronten zwischen Gut und Böse sind klar abgesteckt, die Rollen dem Standard entsprechend verteilt. Weil das allein aber kaum ausreicht, das Publikum bei Laune zu halten, muss Djangos eigentlicher Auftrag her. Denn der Farmer Trevor Norton (Frank Wolff, „Leichen pflastern seinen Weg“), angeblich der Zwillingsbruder des von ihm gesuchten Outlaw, versucht mit Nichte Sally (Gloria Osuna, „Ein Colt für hundert Särge“) ungeachtet der lokalen Streitigkeiten eine Existenz aufzubauen.

Dank trockenem Humor und Hauptdarsteller De Teffé, der in Auftreten und Spiel noch wenig mit dem stoischen Antiheroismus späterer Einsätze gemein hat, erhält „Django kennt kein Erbarmen“ seinen Unterhaltungswert. Insgesamt aber ist der Film, allen voran wegen manch langatmiger Passage, geschwollenen Dialogen und wirkungslosem Soundtrack, zu unausgegoren, um im Tross der Genrevielzahl nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Er wirkt vielmehr wie eine Fingerübung, waren die zentral Beteiligten doch in späteren Tagen noch in weit erwähnenswerteren Produktionen involviert.

Wertung: (5 / 10)

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