Das Haus an der Friedhofmauer (I 1981)

das-haus-an-der-friedhofsmauerIm „Haus an der Friedhofmauer“ geht schreckliches vor sich. Dass es zwar einen Friedhof, nicht aber eine dazu passende Mauer gibt, muss dem betont klangvollen deutschen Titel von Lucio Fulcis („Ein Zombie hing am Glockenseil“) derbem Schocker schon nachgesehen werden. Wie auch die Abstinenz einer schlüssigen Geschichte, die sich in einigen zähen Andeutungen und noch mehr Aussparungen ergeht. Die unheimliche Atmosphäre macht den berüchtigten Splatterfilm sehenswert. Wenn der seinem Ruf dank aufbrandendem Trash-Appeal auch nur in vereinzelt stimmungsvollen Passagen gerecht wird.

Nach dem Selbstmord eines Kollegen zieht es Historiker Norman Boyle (Paolo Malco, „Der New York Ripper“) mit Frau Lucy (Catriona MacColl, „The Beyond“) und Sohn Bob (wie aus Plastik: Giovanni Frezza, „Manhattan Baby“) an dessen letzte Wirkungsstätte. Im einsamen Haus nahe Boston will Boyle nach den Ursachen für den Freitod des Gelehrten forschen. Der Gattin ist der alte Bau mit eigenem Friedhof und Grabstätte unter den Dielen nicht geheuer und auch klein Bobby, vom „Shining“ erleuchtet, bereitet der Trip Sorgen. Schließlich flüstert ihm ein kleines Mädchen unentwegt Warnungen zu.

Für solche Gespinste hat Papa kein offenes Ohr. So müssen er und seine Lieben erst die Bekanntschaft von Dr. Freudstein (platter ging’s wohl nicht) machen, der sich im vernagelten Keller an den Frischzellen seiner Opfer labt. Oder so ähnlich. Das Kindermädchen (Ania Pieroni, „Tenebrae“), deren kalte Augen Fulci mit einigen Großaufnahmen würdigt, macht sich nachts an der Pforte zum Untergeschoss zu schaffen, in das es bald vor allem Bob zieht. Dabei müsste gerade er es eigentlich besser wissen. Während Norman das unheimliche Geheimnis des Hauses lüftet, schwebt seine Familie längst in Lebensgefahr.

Die Schauspieler überzeugen ebenso wenig, wie das von H.P. Lovecraft inspirierte Skript. Ein ausgewiesener Geschichtenerzähler war Fulci aber ohnehin nie, weshalb er sich auch hier auf die Kraft der Bilder und die Wirksamkeit expliziter Grausamkeiten beschränkt. Trotz ihrer Offensichtlichkeit (allein die Fledermausattacke ist so blutrünstig wie albern) schinden die Tricks Eindruck. Nur der Madenmus kleckernde Freudstein, dessen Visage ausschaut wie Ochsenziemer, bleibt außen vor. Die unnötig wirre Schlusssequenz setzt der Zwiespältigkeit am Ende die Krone auf. Schlecht ist der wirksame Mix aus Mystery und Splatter nicht, nur eben merklich schlechter als sein Ruf.

Wertung: (5 / 10)

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