Das Comeback (USA 2005)

das-comebackWie oft wurde er schon in Hollywood geträumt, der steinige Weg vom kleinen Mann zum großen Sieger, vom Tellerwäscher zum Millionär. Hollywood weiß genau, wie man diese Geschichten zu erzählen hat und ein Regisseur vom Schlage eines Ron Howard weiß dies ebenso gut handwerklich umzusetzen. „Das Comeback” beschreibt die wahre Geschichte eines amerikanischen Helden, den hierzulande wohl nur die wenigsten kennen werden. Zur Zeit der großen Depression, gegen Ende der 20er und zu Beginn der 30er Jahre, boxte sich der Ire James J. Braddock in die Herzen der einfachen Leute und gab einer ganzen Nation neuen Mut.

Der Boxer und dreifache Familienvater (Russell Crowe) hat schon unzählige Boxkämpfe bestritten, erst im Mittel- und später im Schwergewicht. Dabei ging er nie K.O., mangelnde Technik machte er durch seine Willenskraft mehr als wett. Als der große Börsencrash sich wie ein dunkler Schleier über das Land legt und die Arbeitslosenzahlen immer neue Rekorde brechen, sinkt auch sein Stern, das verdiente und in ein Taxiunternehmen investierte Geld ist auf einen Schlag weg. Mit seinen drei Kindern sowie seiner Frau Mae (Renée Zellweger) muss er zwangsweise in ein Kellerzimmer umziehen, tägliche Milch- oder Strommahnungen gehören zum Leben der Familie.

Auch sportlich geht es mit ihm bergab. Nach einigen Verletzungen und verlorenen Kämpfen ist er unten angekommen, sogar die Boxlizenz wird ihm aberkannt. Nachdem er seine Familie mit Gelegenheitsjobs mehr schlecht als recht über Wasser halten kann, bietet ihm sein alter Freund und Ringkumpan Joe (Paul Giamatti) eine neue Möglichkeit. Er soll als eine Art Aufbaugegner gegen den kommenden Herausforderer des Weltmeisters antreten, die Gage klingt dabei verlockend, allerdings soll es erst einmal bei diesem einen Kampf bleiben. Ohne Training, Ausrüstung und einem leeren Magen gelingt ihm jedoch die Sensation und er knockt seinen Kontrahenten aus. Dies bringt weitere Kämpfe mit sich, bis er schließlich sogar selbst Herausforderer auf den Weltmeisterschaftsgürtel ist.

Die wahre Geschichte des James J. Braddock (1905-1974) könnte geschichtsträchtiger nicht sein, sie scheint wie für Hollywood gemacht. Regisseur Ron Howard ist ein Meister der eher oberflächlichen Gefühle und vor allem Pathos ist ihm nicht fremd. Bewiesen hat er dies bereits mit Werken wie „Backdraft” oder dem Oscar-prämierten „A Beautiful Mind”. Howard ist ohne Frage ein routinierter Handwerker, einer der zu unterhalten weiß, jedoch nicht immer zu fesseln, da er mancherorts doch ein wenig zu dick aufträgt. Die Biografie des Boxers Braddock bietet da eine Vielzahl von Möglichkeiten, was von Howard dankbar aufgenommen wird. Sein Braddock ist ein Familienvater durch und durch, ehrlich und gewissenhaft. Wenn sein Sohn inmitten der schwersten Krise eine Salami klaut, wird diese selbstverständlich zurück gebracht. Die folgende Moralpredigt wandelt sich schnell zum schmalzigen Anerkenntnis der Familientreue.

Entgegen seinem privaten Auftreten verkörpert Oscar-Preisträger Russell Crowe („Gladiator”) einen zwar harten Kerl, allerdings mit weichem Herz. Crowe spielt die aufopferungsvolle Figur des James J. Braddock jederzeit überzeugend, sei es in den packenden Faustkämpfen, die er mit seiner kraftvollen Statur mehr als meistert, oder aber in den ruhigeren Familiensequenzen. Neben ihm kann Renée Zellweger („Unterwegs nach Cold Mountain”) nicht mithalten, ihre Rolle der Ersatz-Adrian hat zu wenig wirklich gute Momente, um sich auszuzeichnen. Häufig wirkt sie einfach nur wie die kleine Frau am heimischen Herd. Gute Ansätze zeigt sie leider zu selten, erst wenn sie emotionaler zur Sache geht, merkt man, dass hier Leben in der Frau steckt. Wieder einmal auf der Gewinnerstraße ist Paul Giamatti („American Splendor”), der sich in der letzten Zeit mit anspruchsvolleren Rollen immer mehr in den Mittelpunkt spielt. In einer kleinen Nebenrolle ist übrigens wie üblich auch Clint Howard („Apollo 13″) zu sehen, seines Zeichens Bruder von Regisseur Ron, der hier als Ringrichter fungieren darf.

„Das Comeback” ist eine routiniert erzählte Geschichte eines großen Mannes, gut gespielt und detailgetreu in Szene gesetzt. Der emotional berühren wollende Score tut sein übriges dazu. Typische Ron Howard-Zutaten, die für Unterhaltung sorgen, allerdings wie üblich auch seine bekannten Schwächen auftischen. Vorhersehbar, doch nicht langweilig, Kino, wie es Hollywood nur zu gern erzählt.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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