Crime Insiders (F 2007)

crime-insidersFür exzellente Gangsterfilme muss der Blick nicht bis nach Hollywood schweifen. Auch Europa bietet Perlen des Genres. Neben den Briten, wo Beiträge wie „Gangster No. 1“ Aufsehen erregen, sind es die Franzosen, die den Standards des US-Kinos gleichwertiges entgegenstellen. Ein glänzendes Beispiel ist „Crime Insiders“, gedreht und mitverfasst von „Agents Secrets“-Regisseur Frédéric Schoendoerffer. In gebotener Nüchternheit zeigt er den Mahlstrom der Gewalt in einem kriminellen Milieu. Ohne Glorie. Da ist kein Glanz, nichts, was es nach Art des modernen Kinos zu huldigen gäbe. Eher ein alles verschlingender Abgrund.

Das knallharte Drama ist im besten Sinne unspektakulär und verzichtet auf unnötige Action, ebenso auf Spannung nach Bauart eines herkömmlichen Krimis. Die Geschichte läuft einfach. Für die meisten Figuren führt sie ins Leere. Ausgangspunkt ist Claude Corti (Philippe Caubére, „Moliére“), der sich mit harter Hand an der Spitze der Pariser Unterwelt hält. Die Finger hat er in jeglichen illegalen Geschäften drin, vom Drogenhandel bis zur Prostitution. Das schafft Feinde. Ein Vertrauter Claudes ist Killer Franck (Benoît Magimel, „Die Blume des Bösen“), der mit Partner Jean-Guy (Olivier Marchal, „36 – Tödliche Rivalen“) eine autonome Einheit bildet.

Franck steht außerhalb des organisierten Verbrechens. Er fungiert für die eine oder andere Partei als Ausputzer. So auch für Claude, als es gilt die Verantwortlichen eines fingierten Drogendeals zu eliminieren. Die Mittelsmänner, Hicham (Mehdi Nebbou, „Schläfer“) und sein Cousin Larbi (Tomer Sisley, „Nana“), entkommen knapp, als die Übergabe auf einem Parkplatz blutig endet. Sie streben nach der Macht, als das Imperium des großen Claude durch seine Verhaftung zerfällt. Während eines Freigangs soll der Sträfling ausgelöscht werden. Da kommt Franck ins Spiel. Er ist gezwungen, Partei zu ergreifen. Doch für wen?

Die Antwort fällt ihm nicht leicht, was sie in letzter Konsequenz nur umso bitterer macht. Schoendoerffers Erzählung gibt sich vage, bleibt nicht auf klassische Konfrontationen zugespitzt. Die Gewalt ist so krass wie unvermittelt, dazu ebenso derb wie der Umgangston der Verbrecher. Dabei muss das harte, glänzend gespielte Crime-Drama nicht vor Scorsese und Co. verstecken. Der auch in Nebenrollen unter anderem mit Béatrice Dalle („Inside“) stark besetzte Film strebt durch die semidokumentarische Kamera nach Authentizität. In der Gesamtheit ist das so unkonventionell wie sprunghaft, verfügt aber über enorme Wucht. Ein Klasse Film.

Wertung: (8 / 10)

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