Cannibals and Carpet Fitters (GB 2017)

„Carpet fitters don’t cry.“ – Colin

Auf eines kann man sich über sämtliche (Film-)Kulturen hinweg verlassen: Im Hinterland leben Kannibalen. Auch in England, wo die Menschenfresser wirken wie die europäischen Vettern der hungrigen Freaks aus „Wrong Turn“. Nur bewohnen die keine schmucklose Waldhütte, sondern ein stattliches Herrenhaus. Angeführt wird die degenerierte Bande von der ältlichen, äußerst zuvorkommend erscheinenden Mrs. Hanning (Jenny Stokes). Um den Appetit ihrer tumben, passend entstellten Brut zu stillen, werden verirrte Wanderer geschlachtet oder Handwerker ins Anwesen bestellt. Quasi Essen auf Rädern für die mörderische Klientel.

„Cannibals and Carpet Fitters“ ist ein simpler Beitrag zum Backwood-Horror. Der Titel nimmt die Handlung zu 100 % vorweg, die Basis lieferte der gleichnamige Kurzfilm von 2014. Der geht, wie die auf Spielfilmlänge gestreckte Nachreichung, auf Regisseur James Bushe („Predator Dark Ages“) und Autor Richard Lee O’Donnell („Zombie Hood“) zurück. Dem Vorläufer entsprechend übernimmt der auch produzierende Zweitgenannte zugleich eine der Hauptrollen und erwehrt sich den Menschenfressern mit dem Kollegen Colin (wie Stokes ebenfalls beim Original dabei: Darren Sean Enright) auf denkbar skurrile Weise. Der britische Humor verfehlt seine Wirkung eben auch diesmal nicht.

„There’s a human nipple in the pie.“ – Dean

Originell ist der sympathisch schnell zur Sache kommende Low-Budget-Aderlass sicher nicht. Dafür macht das ironische Spiel mit Humor, Ekel und gängigen Genre-Klischees auf den Spuren von „The Cottage“ (2008) ausreichend Spaß. Der Auftakt macht im Found-Footage-Stil kurzen Prozess mit einem umherirrenden Camper-Pärchen. Danach rücken die Handwerker auf den Speiseplan. Die Vorhut, in dessen Reihen vor allem die toughe Tasha (Zara Phythian, „Doctor Strange“) Leidensfähigkeit beweisen muss, ist schnell überwältigt. Als die verspäteten Kollegen Colin und Dean (O’Donnell) in der Provinz eintreffen und merken, was vor sich geht, ist es allerdings auch für sie längst zu spät.

Ein bisschen Typenkomik, eine gute Portion Wortwitz und reichlich Kunstblut sind die wesentlichen Ingredienzen von „Cannibals and Carpet Fitters“. Die Figuren erscheinen nicht sonderlich sympathisch, was an ihrem Schicksal wenig Anteil nehmen lässt. Doch was zählt ist das Eingemachte und dahingehend geben sich die Macher über buchstäblich spritzige handgemachte Effekte keine Blöße. Der Prämisse bleibt das Duo Bushe/O’Donnell konsequent treu und der ironische Anstrich lässt die erzählerischen Schwachpunkte leicht übersehen. Kein Film für die Ewigkeit, aber definitiv einer für einen amüsant-blutbesudelten Abend mit Kumpels und Gerstenkaltschalen. Guten Appetit.

Wertung: (6 / 10)

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