Barbarella (F/I 1968)

barbarellaBarbarella (Jane Fonda) ist eine Aeronautin der Klasse 5 (häh?), die im Jahr 40.000 in ihrem beplüschten (!) Raumschiff durch das Weltall fliegt. Weshalb sie das tut ist nicht unbedingt ersichtlich, ist aber auch irgendwie egal. Denn am Anfang legt sie einen fast fünfminütigen Strip in der Schwerelosigkeit ab, der diese Frage glatt in die unendlichen Weiten der Unwichtigkeit katapultiert. Da es Kriege und sonstiges Blutvergießen nicht mehr gibt, ist der Auftrag, den sie vom Präsidenten der Erde höchstpersönlich (und auf sein Geheiß völlig nackig!) empfängt, umso verwunderlicher. Sie muss nämlich den genialen Wissenschaftler Duran Duran (Milo O’Shea) ausfindig machen, der tatsächlich eine Waffe gebaut haben soll! Und da man im 400. Jahrhundert (wird im Film eigentlich nie erwähnt) keine UN-Blauhelme oder sonstige militärische oder polizeiliche Macht mehr kennt, muss natürlich ein naives Blondchen die Welt retten!

Sie landet auf dem 16. Planet des Tau Ceti Systems, auf dem sie zunächst von merkwürdig dreinschauenden Kindern überwältig wird, welche ihre lustigen Killerholzpuppen mit messerscharfen Metallzähnen auf das hübsche Ding loshetzen. Wie Kinder nun mal so sind. In letzter Sekunde wird sie von einem in dicken Fellen eingemummten Kinderjäger (ja, Kinderjäger) gerettet und gleich daraufhin standesgemäß entjungfert. Zudem trifft sie auf den blinden, von Komplexen geplagten Engel Pygar (John Phillip Law, „Diabolik“), der auch noch ran darf, findet in der Stadt SoGo den bösen Wissenschaftler und bekämpft ihn und die nicht minder böse Königin mit Hilfe von Dr. Ping (Starpantomime Marcel Marceau) und anderen Gleichgesinnten – bis zum fluffigen Happy End.

Ja, ja, die 1960er waren in vieler Hinsicht ein Jahrzehnt, welches aus unserer heutigen Sicht fast schon mit einen mystischen Charakter versehen ist. In psychedelisch bunter Umgebung von Easy Listening-Klängen untermalt, schreit man jedem „Liebe“ ins Gesicht. Oder so ähnlich. Dass diese Periode aber auch zur damaligen Zeit oft nur dank LSD kuschelig erschien, rufen uns beispielsweise die Kuba Krise oder der Krieg in Vietnam in Erinnerung, in der die Flower Power doch eher der Intercontinental Ballistic Missile Power weichen musste. Nachdem man „Barbarella“ gesehen hat, dürfte keiner daran zweifeln, dass die Macher eher der LSD-Fraktion angehört haben dürften. Wer den 12 Jahre später entstandenen Augenskorbut verursachenden „Flash Gordon“ (der auch von Dino De Laurentiis produziert wurde) als zu schrill und zu farbenprächtig empfindet, dürfte bei „Barbarella“, der ersten richtigen SF-Comicverfilmung der Filmgeschichte, schon nach fünf Minuten einen Kollaps erleiden. Da hilft auch der Anblick der stets knapp bekleideten Jane Fonda (damals zarte 30 Jahre alt) nicht darüber hinweg.

Nicht nur eine Farbenüberpräsenz strapaziert das Auge des modernen Menschen, denn auch für die damalige Zeit schon doch zu billig aussehenden Tricks sind sicherlich nicht jedermanns Sache. Das Innenleben einer Lavalampe als Kosmos dürfte sogar Trekkies der ersten Stunde fast zu loco sein. Eine gescheite Story darf man natürlich auch nicht erwarten, dessen war sich auch der Regisseur Roger Vadim bewusst, der durch die sexy Kostümierung (und das Ablegen dieser!) seiner damaligen Frau Jane Fonda vieles zu kaschieren versuchte. Wer aber den Film nur aus dieser Sicht betrachten möchte, kommt gewiss auf seine Kosten. Ursprünglich sollte übrigens keine geringere als Brigitte Bardot in die Rolle der Weltraumamazone schlüpfen, die zu gegebener Zeit auch noch Vadims Ehefrau gewesen ist. Auch einer weiteren Sex-Ikone der 60er bot man die Rolle an, nämlich Raquel Welch, die aber dankend ablehnte. „Barbarella“ ist einer dieser Filme, bei dem die meisten – besonders die, die ihn nicht gesehen haben – sofort „Kult“ schreien. Was auch nicht gänzlich verkehrt ist. Doch dabei sollte man bedenken, dass „Kult“ nicht automatisch ein Indikator für Qualität darstellt.

Wertung: (6 / 10)

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