American Monster (USA 1982)

wingedserpent„Wir wissen doch alle, New York ist berühmt für gutes Essen.“

Mehr als zwanzig Jahre vor seinem Comeback in Quentin Tarantinos „Kill Bill“ (2004) betätigte sich „Kung Fu“-Star David Carradine als Drachentöter. In „American Monster“ wird die Spitze des Chrysler Building zur Brutstätte eines geflügelten Ungeheuers, das schnell menschliche Gegenwehr forciert. Geschrieben, produziert und inszeniert wurde der effektreiche Spuk von Larry Cohen („Ambulance“), geistiger Vater der „It´s Alive“-Trilogie (1974-87). Als ausführender Produzent fungierte Samuel Z. Arkoff („Das Geisterschloss“), der neben Roger Corman wohl etablierteste Verfechter des B-Movies.

Eine unheimliche Mordserie versetzt New York in Schrecken. Ein Fensterputzer verliert im wahrsten Sinn des Wortes den Kopf und in Manhattan regnet es Blut. Daneben müssen sich die Polizisten Shepard (Carradine) und Powell (Richard Roundtree, „Shaft“) auch noch mit einem Ritualmörder plagen, der seine Opfer gehäutet zurücklässt. Als der Kleinganove Jimmy Quinn (Michael Moriarty, „Pale Rider – Der namenlose Reiter“) zufällig auf das Nest des Monsters und ein darin gebettetes Ei stößt, glaubt er die Stadt um Straferlass und Geld erpressen zu können. Unterdessen geht das Morden weiter.

„American Monster“ ist ein vortrefflicher Gruselfilm ohne Schnörkel. Von Larry Cohen angeblich binnen weniger Tage konzipiert, als er vom Dreh eines anderen Projektes ausgeschlossen wurde, besticht der eigenwillige Streifen allein durch die Umsetzung seiner ungewöhnlichen Geschichte. Anhand des Schicksals eines glücklosen Verbrechers wird die Monsterhatz konstruiert. Michael Moriarty verleiht seiner Darstellung dabei einen facettenreichen Glanz, ist sein Jimmy Quinn doch alles andere als ein klassischer Sympathieträger.

Geblendet von den Möglichkeiten seines Fundes werden Quinns Handlungen bald von Egozentrik geleitet. Die Betrachtung seiner Figur geschieht nüchtern, vollzieht sich gegensätzlich zur Charakterisierung des Ermittlers Shepard. Dieser sucht einen Zusammenhang zwischen den ritualisierten Morden und dem Verschwinden von Menschen, das Zeugen einem gewaltigen Vogel zur Last legen. Zwar liegt der Polizist mit seiner Vermutung über die Erweckung der aztekischen Gottheit Quetzlcoatl – daher der Originaltitel „Q – The Winged Serpent“ – richtig, stößt bei seinen Vorgesetzten dennoch auf offene Anzweiflung seines Geisteszustandes.

Zwar liegen die Schwächen des Films im beizeiten konfusen Skript, doch ist „American Monster“ herausragender Fantasy-Horror mit gelungenen Masken und Effekten. Die Inszenierung gibt sich geradlinig und lässt die Verantwortlichen der Polizei erst gar nicht versuchen, das Monster lebendig zu fangen. Auch Biologen und Wissenschaftler sucht man hier vergebens, statt dessen rückt ein Spezialkommando an, um das Nest am Ende auszuheben. Zuerst wird das Ei mit Blei gespickt, danach ist das Muttertier dran. Doch hat dies ein spätes As, genauer ein weiteres, gut verstecktes Ei im sprichwörtlichen Ärmel.

Die anachronistischen Stop-Motion-Tricks wirken zwar unzeitgemäß, unterstreichen aber vorzüglich den atmosphärischen Charme des blutigen B-Pictures. Gute Darsteller entschädigen für Mängel in der Dramaturgie, die konstante Atmosphäre für die späte Sichtbarmachung des Monsters. Dessen Ursprung bleibt zwar ebenso im nebulösen Niemandsland verborgen, wie der Hintergrund der rituellen Opferungen, im Metier des Trash-Films nach einhelliger Logik suchen zu wollen, würde diesen heimlichen Genre-Klassiker jedoch zu Unrecht abwerten.

Wertung: (7 / 10)

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