A Quiet Place (USA 2018)

„Who are we if we can’t protect them? We have to protect them!” – Evelyn

Die fünfköpfige Familie bewegt sich geräuschlos. Barfuß, auf einem schmalen Sandstreifen durch ein sonniges Naturpanorama. Dass die Zivilisation kollabiert ist, weiß bis dahin auch der Zuschauer. Nur warum? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: Als das jüngste Kind ein batteriebetriebenes Spielzeug einschaltet, bricht nur Augenblicke später eine gewaltige, knochige Kreatur aus dem nahen Wald und straft in einem – nicht allein für Eltern – wahrlich schockierenden Moment das Klischee der Überlebensgarantie junger Heranwachsender in US-Filmproduktionen Lügen.

Der famose Auftakt verdeutlicht vor allem eines: „A Quiet Place“ ist ein sparsamer Film. Geredet wird wenig. In der Hauptsache wird schlicht überlebt. Die überschaubare Dimensionierung, die der Produktion, die des idyllischen Handlungsortes im US-Hinterland und erst recht die der im besten Sinne spartanischen Handlung distanziert sich sympathisch weit von der Methodik gängiger Blockbuster. Als Zugpferde fungieren die Elterndarsteller: Emily Blunt („Girl on the Train“) spielt Mutter Evelyn, der auch für die Regie (und Teile des Drehbuchs) verantwortliche, eigentlich durch Comedy-Kost der Marke „The Office“ bekannt gewordene John Krasinski tritt als Vater Lee in Erscheinung.

Mit den beiden verbliebenen Kindern, dem ängstlichen Marcus (Noah Jupe, „Suburbicon“) und der gehörlosen Regan (Millicent Simmonds, „Wonderstruck“), führen sie ein Leben in Abgeschiedenheit. Und Stille. Das primäre Ziel: Den Nachwuchs auf die veränderten Lebensbedingungen einzustellen. Die blinden Monstren, deren Herkunft und Erscheinen ein Rätsel bleiben, werden von Geräuschen angelockt. Jeder unbedachte Schritt, jedes Missgeschick kann den sicheren Tod bedeuten. Vor allem, da gleich drei der mysteriösen, scheinbar unbesiegbaren Wesen im Einzugsgebiet der Familie ihr Unwesen treiben. Ihr metaphorischer Widerpart ist Regan, die sich aufgrund eines defekten Hörgerätes allein auf ihre Augen verlassen kann.

Die nonverbale Kommunikation, die neben Gebärdensprache außerhalb des Hauses von umschaltbaren Lichterstraßen in Signalfarben geprägt ist, steht in gelungenem Kontrast zur inneren Zerrüttung der Figuren. Die hochschwangere Evelyn, die sich die Schuld am Tod des dritten Kindes zuschreibt, würde ihren Schmerz am liebsten herausschreien. Aus demselben Grund ist auch das Verhältnis zwischen Lee und Regan belastet. Die Zerrissenheit der Familie, die sich mit Sauerstoffgerät und geräuschisolierter Wiege auf die Ankunft des Babys vorbereitet, fügt sich verblüffend glaubhaft ins klassische Horror-Szenario ein.

Dass es am Ende nach konventionellem Muster zur Konfrontation zwischen Mensch und Monster kommt, mindert die Klasse von „A Quiet Place“ keineswegs. Auf Blut- und Gewaltschocks verzichtet Krasinski nahezu komplett. Der allgegenwärtige Schrecken hält vorrangig subtil Einzug, entlädt sich jedoch in einem vergleichsweise „lauten“, mit sehenswerten Effekten versehenen Schlussakt, bei dem die Eltern bis zum Äußersten gehen, um ihre Kinder zu beschützen. Neu ist die gesamte Herangehensweise keineswegs. Doch kommt sie in ihrer relativen Zurückhaltung und der gegen den Trend gerichteten Abhandlung in schlanken 90 Minuten schlicht zur richtigen Zeit.

Wertung: (8 / 10)

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