02.12.2006 – Nikolaus Raus-Tour u.a. mit De Heideroosjes / ZSK / Go Faster Nuns – Berlin Tommy Haus

nikolaus-raus-2006Seit 1996 steht die „Nikolaus Raus”-Tour für zumeist deutschen Punk-Rock in der Vorweihnachtszeit. Was als eintägiges Festival in Berlin begann hat sich, wie der Name schon sagt, zur Tournee entwickelt. In diesem Jahr lockte neben heimischen Vertretern die populärste Punk-Combo der Niederlande, namentlich DE HEIDEROOSJES. Im Berliner Tommy Haus durfte die zwar nicht als Headliner aufspielen, versetzte die Besucher zur Zeit vor Mitternacht aber trotzdem in spürbare Wallung.

Dem nur unwesentlich bemerkten Auftakt von PITYFUCK folgte das Münchner Gespann MONGREL. Deren Routine zeigte sich im Umgang mit der Publikumslethargie. Obwohl ein nicht unerheblicher Teil der Anwesenden vor der Bühne saß, ließ sich die Band nicht die Laune verderben. Die meisten der in zufriedenstellender Akustik und starker Stimmlage dargebotenen Songs entstammte ihrem jüngsten Album „Speak Resistance“, was gerade im Bezug auf „Welcome the Changes“ und „Barcode On My Chest“ erfreute. Die Mixtur aus Punk, Hardcore und Ska überzeugte auch vor Publikum – nicht zuletzt aufgrund der souveränen Überbrückung der Stimmungsstagnation. Denn wenn nichts mehr geht, geht immer eine Coverversion. Hier war es gar ein üppiges Medley mit allem, was die Erinnerungen an vergangene Tage in den Charts so hergab.

Die GO FASTER NUNS taten das, worauf sie sich seit jeher am besten verstehen: Drei Akkorde Vollgas! Leistung und Set durften ohne unterschwellige Kritik als Standard bezeichnet werden. Bei den Bambergern heißt das in der Regel viel Spaß mit überschaubaren Melodien und viel Tempo. Gleiches galt auch für NO RESPECT, die bei drei der letzten fünf Nikolaus Raus-Touren mit an Bord waren. Die etablierte Ska-Punk-Truppe servierte politische Gute-Laune-Musik mit ambitionierter Bühnenleistung und durchweg gutem Set. Da war nicht nur aufgrund des zwischenzeitlich hervorstechenden Hardcore-Hintergrund für jeden etwas dabei.

War der Club im Vorfeld bereits ansprechend besucht, platzte er bei DE HEIDEROOSJES aus allen Nähten. Die sympathischen Polit-Punks, seit 1998 bei Epitaph unter Vertrag, veröffentlichen im Frühjahr 2007 ihr neues Album. Von diesem aber gab es absichtlich keinen Song zu hören. Stattdessen spielten sich die sympathischen Vier aus Limburg so mitreißend wie eh und je durch ihre Bandhistorie und verwandelten das Tommy- in ein Tollhaus. Besonders gefiel die wiederholte Berücksichtigung ihres 99er Prachtwerks „Schizo“, von dem unter anderem „Watch Me Play“ und „Fistful of Ideals“ gespielt wurde.

Die berauschende Stimmung wurde nachhaltig durch die gewohnt ironischen Einwürfe von Sänger Marco gesteigert, der das Verhältnis zwischen Deutschen und Holländern souverän auf die Schippe nahm. Dazwischen durfte natürlich auch der Evergreen „I’m Not Deaf, I’m Just Ignoring You“ nicht fehlen. Einziger Wehrmutstropfen war so der Verzicht auf den in deutscher Sprache vorgetragenen Klassiker „Wurst und Käse“. Von diesem Schönheitsfehler abgesehen ein furioser Auftritt.

Mit dem konnten die Wahlberliner von ZSK nicht mithalten. Zu vorgerückter Stunde von angestammten Horden dankbar abgefeiert, blieb einmal mehr ein schaler Beigeschmack. Denn das politische Engagement der Jungs, die unter anderem die „Kein Bock auf Nazis“-Kampagne ins Leben riefen, in Ehren, aber das Phrasendreschen auf der Bühne stellt selbst das mitunter peinliche Bühnenverhalten von ANTI-FLAG in den Schatten. Dem Parolen grölenden Mob vor der Bühne war das egal. Die Jungs legten sich mächtig ins Zeug, hatten dem durchwachsenen Sound aber nur wenig entgegenzusetzen. ZSK polarisieren. Das taten sie auch an diesem insgesamt sehr launigen Abend. Von daher war es wohl die richtige Entscheidung, DE HEIDEROOSJES vorzuziehen.

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