New Jack City (USA 1991)

„Am I my brother’s keeper?“ – Nino Brown

Wie der Vater, so der Sohn: In den Neunzehnsiebzigern prägte Melvin Van Peebles das „Black Cinema“ durch Werke wie „Sweet Sweetback’s Baadasssss Song“ (1971). 1991 tat es ihm Sohn Mario („Posse“) gleich. Auch er schuf mit „New Jack City“ einen Klassiker des „Schwarzen Kinos“. Wenn auch einen, der trotz moderner Umsetzung nicht an Gesellschaftskritik spart. Dass die nach Maßgabe des actionbetonten Gangsterfilms vornehmlich auf die MTV-Generation zugeschnitten wurde, lässt die Geschichte mitunter flach und klischeehaft wirken. Die straffe Umsetzung und der ansprechende Cast bürgen aber auch nach einem Vierteljahrhundert noch für packende Unterhaltung.

New York, 1986: Nachtclub-Betreiber und (Klein-)Dealer Nino Brown (der Durchbruch für Wesley Snipes, „Passagier 57“) ist in Harlem eine Marke. Zusammen mit seinem Freund und Partner G-Money (Allen Payne, „Vampire in Brooklyn“) gründet er die „Cash Money Brothers“ (Teil der Bande ist u. a. Bill Nunn, „Do the Right Thing“). Die Ziele sind klar: Macht, Geld, Frauen. Dann erobert Crack die Drogenszene und verändert alles. Auch das Geschäftsmodell der verbrecherischen Unternehmer. Um die neue Modedroge im großen Stil herstellen und vertreiben zu können, annektieren sie einen Wohnkomplex, der zur Festung ausgebaut wird. Dass sie das soziale Elend zur eigenen Bereicherung maßgeblich befeuern, stört sie nicht weiter. Nach außen schüren sie gar das Bild besorgter Wohltäter, die den Armen an Weihnachten Essen spendieren.

Drei Jahre später hat es Nino bis ganz nach oben geschafft. Crack hat die Straßen überflutet und die Cash Money Brothers zu Unterwelt-Größen gemacht. Um ihnen das Handwerk zu legen, trommelt Detective Stone (Van Peebles) eine unabhängige Ermittlereinheit zusammen. Deren relevanteste Mitglieder sind die Undercover-Cops Scotty Appleton (Ice-T, „Ricochet“) und Nick Peretti (Judd Nelson, „The Breakfast Club“). Die schleusen zunächst den mühsam durch den Entzug gezwungen Junkie Pookie (Chris Rock, „CB4“) in die Verbrecherorganisation ein. Wenn Ice-T am Bett des zitternden Abhängigen die Daumen drückt, wird Schauspielkunst nicht gerade groß geschrieben. Aber die Präsenz des Gangster-Rappers – und sein Zutun zum Soundtrack – ist insgesamt als Pluspunkt zu erachten.

Als Pookies Einsatz im Fiasko endet, erschleicht sich Scotty das Vertrauen Ninos. Dass die beiden durch den gewaltsamen Tod von Scottys Mutter verbunden sind, ist ein trivialer dramaturgischer Aussetzer. Gefahr droht den Cash Money Brothers aber nicht nur von Seiten der Staatsgewalt: Der eskalierende Clinch mit der italienischen Mafia und G-Moneys zunehmender Hang zum Crack bringen das Syndikat ins Wanken. Am Ende zählt selbst die vielbeschworene Brüderlichkeit nichts mehr. Der mit Gastauftritten von Hip-Hop-Stars wie Fab 5 Freddy oder Flavor Flav angereicherte Film weicht vor Klischees, gerade bei den blutigen Action-Intermezzi, nicht zurück. An der eindeutigen Moral rüttelt das nicht. Bezeichnend für den kritischen Aspekt der Geschichte ist, dass dem Versagen des Rechtsstaates am Ende die Selbstjustiz folgt. Es ist auch diese zynische Konsequenz, die „New Jack City“ trotz gewisser Abstriche zum Klassikerstatus verhalf. Nicht eben meisterlich und doch immer noch sehenswert.

Wertung: 6.5 Stars (6,5 / 10)

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