Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest (USA 2009)

gesetz-der-strasse-brooklyns-finest„I don’t want God‘s forgiveness. I want his fucking help!“ – Verzweifelt: Sal

Zu tief drin: In „Brooklyn’s Finest“ erzählt „Training Day“-Regisseur Antoine Fuqua vom schmalen Grat zwischen Verbrechen und Gerechtigkeit. Nach bekanntem Muster führt er drei Erzählstränge um New Yorker Cops und Gangster zusammen, die ihren Reiz vor allem aus dem packenden Spiel der namhaften Besetzung schöpfen.

Bei Sal (Ethan Hawke, „Boston Streets“) ist es schwer zu sagen, ob er noch Bulle oder schon Verbrecher ist. Weil im maroden Heim die Gesundheit der Familie auf dem Spiel steht, muss dringend Geld für ein neues Haus her. Bei Razzien im Drogenmilieu bedient er sich ungeniert und geht sogar über Leichen. Undercover-Cop Tango (Don Cheadle, „Talk to Me“) sucht verzweifelt den Ausstieg und will zurück in ein geregeltes Leben. Zuvor aber soll er seinen alten Freund, den Großdealer Caz (Wesley Snipes, „Blade “) zur Strecke bringen.

Fuqua bemüht sich um Zurückhaltung und verschleißt die glaubwürdigen Charaktere nicht in selbstzweckhaften Actionintermezzi. Im Detail ist es des Guten bisweilen dennoch zu viel. In seiner ersten Szene reicht es nicht, dass Richard Geres („The Hunting Party“) Eddie Dugan nach dem Aufwachen gleich zur Flasche auf dem Nachttisch greift, nein, er muss sich anbei auch noch die Pistole in den Mund schieben. Die Zerrissenheit seiner Figur kehrt Gere trotzdem überzeugend nach außen. Im Dienst ist der desillusionierte Oldtimer ein Außenseiter, der bis zur nahenden Pensionierung den Kopf aus der Schusslinie halten will.

Die Stimmung ist aufgeheizt. Nur angerissen wird der Druck auf die Polizei, nachdem ein uniformierter Beamter in einem Problembezirk einen Jugendlichen ausgeraubt und kaltblütig erschossen hat. Für ein gutes Image in der Öffentlichkeit werden Sachverhalte gefälscht. Dugan will sich auf dieses pervertierte Spiel nicht mehr einlassen, als ein ihm unterstellter Frischling im Dienst zur Waffe greift. Doch die Auflehnung gegen den Sittenverfall erfolgt erst, als er in bürokratischer Respektlosigkeit bereits aus dem aktiven Dienst verabschiedet wurde.

Das in tristen Farben gefilmte Thriller-Drama, in Nebenrollen von gestandenen Aktricen wie Ellen Barkin („Ocean’s Thirteen“) oder Lili Taylor („Factotum“) veredelt, steuert so kalkuliert wie unspektakulär auf eine tragische Zuspitzung der Ereignisse zu. Die aufgestauten Spannungen lösen sich (natürlich) im Strudel der Gewalt. Es wird gemordet und gestorben, in dezent theatralischen Posen dürfen die Darsteller raue Mengen Kunstblut spucken. Meisterlich ist „Brooklyn’s Finest“ sicher nicht geraten – dank der guten Akteure und dramaturgischen Zurückhaltung aber immerhin durchweg sehenswert.

Wertung: (7 / 10)

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