Good Friend – Ride the Storm (2016/2017, Red Scare Industries/Gunner Records/Broken Silence)

Ein Name, der Vertrauen schafft: GOOD FRIEND. Das verheißt gemeinsame Kneipenbesuche sowie Gespräche zwischen Tief- und Unsinn. Falls nötig, kann man sich auch mal einen Fünfer borgen (Geldschein, nicht Bonzenkarre). Im Punk ist das eine mehr als solide Ausgangsbasis für die nächste Lieblingsband. Oder zumindest eine, zu der man lustvoll abgehen kann. Dass die drei Iren, mittlerweile Wahl-Engländer, dazu noch einen Stil pflegen, der laut und verhalten gleichermaßen beherrscht, macht ihren ersten Langspieler „Ride the Storm“ nicht weniger erstsahnig.

Die sehr moderne Interpretation klassischer Punk-Strukturen, die neben weitschweifigen, auch mal Orgel-ergänzten Melodien gern merklich Rock-beeinflusste Elemente einbringt (bestes Beispiel: „Curse the Name“), erinnert nicht selten an I AM THE AVALANCHE. Mit den US-Kollegen teilen die Soon-to-be-Ex-Europäer den Hang zu scheuklappenfreier Endlos-Dynamik. Abwechslung ist Trumpf, wenn mal inbrünstig geplärrte und mal eindringlich gesungene Vocals auf häufige Tempoverschleppungen treffen. Der Plattentitel ist Aufhänger für Sinnbilder vom Zur-See-Fahren – und nicht immer leicht zu erfassenden Befindlichkeitsverortungen. Klar abgesteckte Messages wären schlicht zu simpel gestrickt.

In der ersten Hälfte des Albums reiht sich ein packender Hit an den nächsten. Schwer zu sagen, welcher davon am intensivsten knallt. Das Wagnis einer Prognose: „Dirty Little Bastards“. Oder doch „The Curious Case of HY-Brasil“? An hymnischen Momenten sparen GOOD FRIEND wahrlich nicht. Das ändert sich auch bei den übrigen Tracks nicht. Die mögen nicht durchweg gleichwertig zünden, rufen aber auch beim folkig angehauchten „Bar Flies“ und dem Heimatverbundenheit probenden Abschluss „Irish Goodbyes“ ihr volles Potential ab. Der Retro-Express fällt heute aus. Mit „Ride the Storm“ wird der Punk mal wieder in der Gegenwart geerdet. So entstehen (musikalische) Freundschaften fürs Leben. Ein ganz starker Erstling!

Wertung: (8 / 10)

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