Die Lincoln Verschwörung (USA 2010)

die-lincoln-verschwoerungAm 15. April 1865, in den letzten Zügen des amerikanischen Bürgerkrieges, wurde Präsident Abraham Lincoln vom Schauspieler John Wilkes Booth angeschossen und tödlich verwundet. Die fragile Demokratie driftete an den Rand des Chaos. Lincoln und die Union der Nordstaaten hatten den Krieg gegen den konföderierten Süden, der die Sklaverei bewahren und ein autonomes Wirtschaftsbündnis bilden wollte, für sich entschieden. Neben des Verbots der Sklavenhaltung wollte der höchste Mann im Staat die Schwarzen durch Gewährung des Wahlrechts auch ins politische Machtgefüge integrieren.

Historiker sind der Ansicht, Booth habe Lincoln aus Wut über dies Vorzeichen der Gleichberechtigung töten und die Union stürzen wollen. Doch war der 11 Tage nach dem tödlichen Schuss auf den Präsidenten im Ford‘s Theatre zu Washington selbst durch eine Kugel getötete Mörder kein Einzeltäter. Booth war Teil einer konspirativen Gruppe, die ursprünglich Lincolns Entführung plante, um konföderierte Kriegsgefangene freizupressen. Mit Ausnahme von John Surratt wurden sämtliche (bekannten) Mitwisser gefasst – und sollten von einem Militärtribunal schnellstmöglich zum Tode verurteilt werden, um das brüchige Staatsgefüge nicht zusätzlich zu gefährden.

Diesem Kapitel der amerikanischen Geschichte widmet sich Altstar Robert Redford („Von Löwen und Lämmern“) im akkuraten Kostüm-Drama „Die Lincoln Verschwörung“. Dabei bleibt er seiner Linie als politischer Regisseur treu und spart Gegenwartsbezüge nicht aus, wenn die Verfassung zum Schutze der Demokratie gebeugt wird. Das von Senator Edwin Stanton (Kevin Kline, „Der Eisturm“) und Judge Advocate General Joseph Holt (Danny Huston, „Children of Men“) einberufene Militärgericht – das Attentat wurde als Kriegsverbrechen gewertet und daher nicht vor einem Zivilgericht verhandelt – soll die Stärke der Union repräsentieren und die Schuldigen ohne Umschweife an den Galgen bringen.

Als erste Frau in der Geschichte Amerikas droht auch Surratts Mutter Mary (Robin Wright, „State of Play“) die Hinrichtung. Die Verteidigung vor Gericht soll lediglich dem Schein dienen. Der altgediente Jurist und Senator Reverdy Johnson (Tom Wilkinson, „Michael Clayton“) überträgt die Verantwortung des umstrittenen Jobs an den jungen rechtsgelehrten und dekorierten Unions-Offizier Frederick Aiken (James McAvoy, „Abbitte“). Auch er ist von Marys Schuld überzeugt. Als er während der Verhandlung aber erkennen muss, dass Ankläger Holt einen Schauprozess anstrebt und jeden Zweifel mit politischem Druck erstickt, riskiert Aiken für die Gerechtigkeit Ruf und gesellschaftliches Ansehen.

Redfords geduldige Inszenierung bleibt konventionell, in den Gerichtsszenen ungeachtet des bekannten historischen Ausgangs aber von unterschwelliger Spannung. Aikens selbstloser Kampf gegen die Aufhebung der Verfassung zugunsten juristisch legitimierter Rache bleibt vor allem hinsichtlich des Terrorkriegs in der Amtszeit George W. Bushs aktuell, kann sich eines gewissen Pathos aber ebenso wenig erwehren wie Redfords eindeutiger Moral. Daneben lebt die fesselnde Breitwand-Geschichtsstunde vom aufwändigen Zeitkolorit und den souveränen Darstellern – darunter auch Justin Long („Drag Me to Hell“), Toby Kebbell („Prince of Persia“), Norman Reedus („The Walking Dead“) und Evan Rachel Wood („The Wrestler“). Dass angerissene Nebenplots wie Aikens scheiternde Ehe in ihrer mangelnden Gewichtung schlicht überflüssig und die Bilder bisweilen stilisiert bedeutungsvoll wirken, schadet dem insgesamt überzeugenden Film letztlich nicht.

Wertung: 7.0 Stars (7,0 / 10)

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