Deadpool 2 (USA 2018)

„Doing the right thing is messy. You want to fight for what’s right, sometimes you have to fight dirty.“ – Schmutzig: Deadpool

Der bewegendste Familienfilm der Saison hat einen Namen: „Deadpool 2“. Die Rückkehr des unsterblichen Ex-Soldaten Wade Wilson (Ryan Reynolds), der sich im „X-Men“-Universum als großmäulig-schießwütige Superhelden-Parodie etabliert hat, setzt voll auf Emotionen. Erzählt wird eine Geschichte von Verlust, Freundschaft und der Suche nach Zugehörigkeit. Das klingt wie Wortspielerei im Sinne des zynischen Spandexanzugträgers und entspricht im Kern doch der Wahrheit. Allerdings wäre Deadpool nicht Deadpool, würde nicht auch diese Herangehensweise allein dem Zweck dienen, möglichst umfänglich über die Stränge zu schlagen.

Als Startpunkt gibt es eine neuerliche Breitseite gegen Wolverine. Wer die kumpelhaften Zwistigkeiten zwischen Reynolds und Logan-Darsteller Hugh Jackman in den sozialen Netzwerken kennt, weiß um den damit verbundenen Unterhaltungswert. Sterbende Superhelden? Was Wolverine kann, beherrscht Deadpool im Schlaf. Dabei läuft auch das Sequel in der Verkettung absurd gewaltreicher Actionsequenzen und bissiger popkultureller Anspielungen – man beachte allein die Anfangstitel in „James Bond“-Manier – zu Bestform auf. Mehr noch als bei Deadpools immens erfolgreichem Kinoeinstand erhält die darum drapierte Handlung bestenfalls zweitrangige Bedeutung.

Gerade als Wade mit Freundin Vanessa (Morena Baccarin) Familienzuwachs plant, wird die sympathische Tötungsmaschine von einem Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen. Halt versprechen die X-Men, wiederum repräsentiert vom russischen (CGI-)Metallhünen Colossus und der jungen Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand). Die Frage, warum sich das namhafte Personal um Professor X abstinent hält, wird mit einem aberwitzigen Gruppen-Cameo quittiert. In Momenten wie diesen, bei denen allein Selbstironie und Metaebene (natürlich einschließlich Direktansprache des Publikums) ins Zentrum streben, ist „Deadpool 2“ der brillante Gegenentwurf zu all den zeitgenössischen Comic-Blockbustern (keinesfalls verpassen: die großartige Abspann-Sequenz).

Das luftige Nichts an Handlung sinnhaft aufschlüsseln zu wollen, würde dem von Regisseur David Leitch („Atomic Blonde“) verfolgten Ansatz kaum gerecht. Also nur so viel: Um seinem Sein einen tieferen Sinn zu verleihen, beschützt Deadpool den übergewichtigen, mit feurigen Fäusten versehenen Teenager Russell (Julian Dennison, „Wo die wilden Menschen jagen“) vor dem Traktat eines fiesen Waisenhausleiters (Eddie Marsan, „Ray Donovan“) und dem Zugriff des Zeitreisenden Cable („Avengers: Infinity War“-Schurke Josh Brolin). Der ist aus der Zukunft gekommen, um an der Schnittstelle von „Terminator“ und „Looper“ den Tod seiner Familie zu sühnen und den zum Bösen konvertierten Russell frühzeitig zu richten.

In der Hauptsache aber vertreibt Deadpool die Zeit mit überspitztem Nonsens. Um diesem konstant folgen zu können, lohnt der Blick auf Details, etwa das Stan-Lee-Graffiti an einer Hauswand. Als Zaungäste dürfen der indische Taxifahrer Dopinder (Karan Soni), Söldner-Kneipier Weasel (T.J. Miller) und die blinde Rentnerin Al (Leslie Uggams) nicht fehlen. Neu hinzu stößt Domino (Zazie Beetz, „Geostorm“), deren Superkraft pures Glück ist. Sie ist Teil der eilig zusammengetrommelten, Gender-neutralen Heldentruppe „X-Force“, die auch Terry Crews („The Expendables“), Bill Skarsgård („Es“) und Rob Delaney („Catastrophe“) – als schnauzbärtigem Normalo Peter – Raum bietet. Auf der Gegenseite greift, Comic-Freunde wird es freuen, der überdimensionierte (CGI-)Koloss Juggernaut ins Geschehen ein. Aber auch das bedeutet keinen Konflikt, der im quasi-familiären Verbund von „Deadpool 2“ nicht lösbar erscheint. So moralisch wertvoll können Actionfilme sein!

Wertung: (8 / 10)

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