Captain Planet – Ein Ende (2016, Zeitstrafe)

captainplanet ende„Dein letzter Blick, mein letztes Lächeln. Legst deine Lippen an mein Ohr, hältst meinen Daumen in deiner Hand. Wir geben auf“ (St. Peter)

Vier Jahre sind seit „Treibeis“ vergangen. Eine lange Zeit, die vor einigen Wochen mit einer kurzen Ankündigung zu „Ein Ende“ schlagartig beendet wurde. Der dramatische Moment gehörte damit definitiv ihnen. Und bei aller Erwartungshaltung, die die fünf Hamburger von CAPTAIN PLANET gern umgibt. Ihr viertes Album ist großartig. Verdammt großartig sogar!

Dabei ist „Ein Ende“ zuerst einmal ziemlich gut produzierter (gerade im Vergleich mit dem bisweilen raueren Vorgänger), eher schnörkelloser Indie-Punk, der voll ist mit markanten Refrains und einprägsamen Melodien. Allerdings wird man damit allein weder Band, noch dem Album gerecht. Denn fast mehr als Melodien und Refrains spielen die Texte bei CAPTAIN PLANET eine übergeordnete Rolle. Wenngleich die Symbiose aller Komponenten noch nie so leicht und locker geklungen hat, wie auf „Ein Ende“.

Schon früh rotiert der Kopf. Bereits das Cover des Albums mit idyllischer Reihenhaussiedlung sowie der Titel lassen Interpretationen en Masse zu. Die Texte sind wie gewohnt melancholisch und düster. Handeln prinzipiell vom Alltag, besonders aber widmen sich Sänger Jan Arne von Twistern und seine Mitstreiter dem Zwischenmenschlichen. Bei all dem Scheitern von dem gesungen wird, schließt die Band nicht kompromisslos mit ihrer Umwelt ab. Es gibt immer wieder eine Hintertür, Licht am Ende des Tunnels oder einen kleinen Funken Hoffnung. Sich diese Kleinigkeiten zu erarbeiten, herauszuhören und zu interpretieren, ist das Besondere an diesem Album. Wenngleich dies auch auf anderer Ebene auf seine drei Vorgänger zutraf.

„Weiter, bis die Stimme aufgibt. Bis alles zerfällt. Bis der Vorhang wieder aufgeht. Uns nichts mehr hier hält“ („Vom Ende an“)

„Ein Ende“ ist voller großartiger Momente. Voller Zeilen zum Nachdenken und auch zum Mitgrölen. Highlights muss man sich nicht herauspicken, das ganze Album ist eines und steht für sich. Von „St. Peter“ bis hin zum großartigen Schlusspunkt „Vom Ende an“. Je mehr Zeit man mit „Ein Ende“ verbringt, umso tiefer taucht man in dieses Album hinein. Ein intensives wie forderndes Meisterwerk und wahrscheinlich schon jetzt das – aus persönlicher Sicht – Album des Jahres. So groß kann Musik sein.

Wertung: (9 / 10)

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