Sick Nurses (T 2007)

sick-nursesDass die florierende thailändische Filmindustrie recht unverblümt von Asiens Kino-Hochburgen Japan und Hong Kong abkupfert, stößt wohl nur denen sauer auf, die nicht den Mehrwert eines gesunden Zuflusses in Fleißarbeit gefertigter B-Movies sehen. Natürlich ist auch „Sick Nurses“ lediglich ein preisgünstig auf den Weg gebrachter Raubbau – diesmal am Fundus des J-Horrors –, doch macht dieser durch die Verwirbelung von Sex, Schrecken und Gewalt mächtig Laune. Bei einer Spielzeit von rund 70 Minuten bleibt ohnehin kaum Grund zur Klage.

Wirklich überzeugend ist der Streifen nicht geraten, als munterer Trash muss ihm aber einfach zugestanden werden, sich hemmungsloser Übertreibung zu bedienen. Genau darin suchen Piraphan Laoyont und Thodsapo Siriwiwat („Suicide Me“) denn auch ihr Heil, wenn sie eine Gruppe reizender Krankenschwestern zur Zielscheibe eines rachsüchtigen Geistes machen. Der gehört zu Pflegerin Tawan (Chon Wachananon), die mit dem charismatischen Arzt Taa (Wichan Jarujinda) verlobt war. Weil der aber lieber ihrer drallen Schwester Nook (Chidjan Rujiphun) nachstellte, drohte die Gehörnte, den kollektiv betriebenen Organhandel auffliegen zu lassen.

Die Kolleginnen beantworteten den Frevel mit Mord, müssen sieben Tage später aber in den Fluren des Hospitals um ihr Leben fürchten. Kurz vor Mitternacht schreitet ein kohlrabenschwarzes Abbild der Toten zur blutigen Abrechnung. Mit Rückblenden und überflüssigen humoristischen Seitenhieben wird geradliniger Horror aufs Glatteis geführt. Der von Somsak Techaratanaprasert („Ong-Bak“) produzierte Comic-Schocker trägt bei der Einführung der Figuren und dem später zunehmenden Splatter-Anteil derart dick auf, dass selbst die verhaltenen funktionalen Spannungsanteile kaum anders können als eine skurrile Wirkung zu erzielen.

Hommagen an „Ringu“ und „Ju-On“ erweisen sich im Soge des unbekümmerten Unfugs als durchaus stimmig, was gerade die morbide Schlusssequenz verdeutlicht. Ernstzunehmen ist „Sick Nurses“, der nach einfältigem Auftakt und ausgewalzten Vorahnungen etwas holprig in Fahrt kommt, natürlich nicht. Mehr als unangestrengter Zeitvertreib kann und darf dem ruppigen und mit überzogener Wonne gespielten Mystery-Geschmadder aber einfach nicht abverlangt werden. Eigene Ideen mögen rar gesät sein. Aber der thailändische B-Horror ist für Novitäten auch einfach das falsche Pflaster.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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