18.08.2016 – Comeback Kid / Defeater / Negative Approach / Giants – Oberhausen Kulttempel

comeback-kid-live-oberhausen-kulttempel-18.9.2016Es gibt Konzertpakete, die sind fast zu gut, um wahr zu sein. Zu diesen zählt die Bündelung von COMEBACK KID und DEFEATER, die modernen Hardcore und Post-Hardcore zusammenbringt. Gemessen an den erlebten Live-Auftritten beider Fraktionen durfte im Vorfeld nicht weniger als voller Publikumseinsatz erwartet werden. Mit dem hielt sich der Pulk im Oberhausener Kulttempel denn auch nicht zurück. Allerdings wartete die rund 300 Köpfe starke Meute bis zum Gig von DEFEATER, was die im Vorprogramm auftretenden GIANTS und NEGATIVE APPROACH mit kaum mehr als wohlwollendem Applaus von der Bühne schickte.

negative-approach-live-oberhausen-kulttempel-18.9.2016Dabei unterstrichen auch (oder gerade) die Letztgenannten das Prädikat „Pflichtprogramm“. Die 1981 gegründeten Mannen aus Detroit sind ein echtes Hardcore-Urgestein und zählen – neben namhafteren Kollegen wie BLACK FLAG und BAD BRAINS – zu den Pionieren des Genres. Das fortgeschrittene Alter des (mit mehr als 20-jähriger Pause) seit 1984 zusammenwirkenden Vierers durfte daher niemanden ernsthaft verwundern. Tatsächlich kamen sie, wüteten und gingen wieder. Offenbar erlaubt die ganz alte Schule keine Ansagen oder Pausen.

So wurde über 35 Minuten gelärmt und grimmig dreingeschaut. Gespielt wurden u.a. „Tied Down“, „Dead Stop“ und „Can’t Tell No One“. Das hatte Schmiss und Wumms, so dass akute Humorlosigkeit wohl selten so viel Spaß bereitet hat. Den Aufschlag übernahmen davor GIANTS aus Essex. Die Briten präsentierten Hardcore moderner Prägung, so dass die Vorfreude auf COMEBACK KID gleich noch ein wenig stieg. Der Einsatz der Jungspunde blieb tadellos, der Sound hätte – gerade im Hinblick auf die Hymnenhaftigkeit ihres Albumerstlings „Break the Cycle“ – aber ein wenig überzeugender ausfallen können. Als erinnerungswürdige Referenz genügte ihr Auftritt dennoch – und dürfte ihnen verdientermaßen einige neue Fürsprecher beschert haben.

defeater-live-oberhausen-kulttempel-18.9.2016Als dritte im Bunde gaben DEFEATER eine gewohnt packende Performance zum Besten. Der Klang ihres bitteren, inhaltlich fiktive Schicksale aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs beleuchtenden Post-Hardcores wirkte etwas verrauscht, was der Klasse der Bostoner aber auch an diesem Abend keinen Abbruch bescherte. Die textsicheren vorderen Reihen wollten sich an diesem Makel jedenfalls nicht stören. Das packende Set gab ihnen mit „December 1943“, „Bastards“, „Unanswered“, „Dear Father“ oder „The Red, White and Blues“ auch keinerlei Grund dazu. Blieben noch COMEBACK KID, deren Frontmann Andrew Neufeld zu den großen Sympathen des modernen Hardcore zählt. Mit breitem Grinsen und ansteckender guter Laune unterstrich er diesen Status in Oberhausen eindrucksvoll.

An Spielfreude waren die Kanadier an diesem Abend kaum zu überbieten. COMEBACK KID hatten spürbar Lust, der wüst abgehenden Menge einzuheizen, was angesichts des furiosen Starts mit „G.M. Vincent & I“, „Wasted Arrows“ und „False Idols Fall“ auch keinerlei Mühe bereitete. Es folgten wuchtig vorgetragene Hits wie „Partners in Crime“, „Didn’t Even Mind“, „All in a Year“, „Should Know Better“ und (natürlich) „Wake the Dead“. Die Energieleistung von Band und Publikum war mustergültig, so dass nach rund einer Stunde keine Wünsche offen blieben. In Summe war es ein erstklassiges Konzert in atmosphärisch stimmigem Ambiente (die auf die Wand tapezierten Kirchenfenster passten perfekt zur letzten DEFEATER-Platte „Abandoned“) und beteiligten Combos, die Lust auf mehr machten. Hardcore-Herz, was willst du mehr?

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