The Shallows – Gefahr aus der Tiefe (USA 2016)

the-shallows-gefahr-aus-der-tiefeDer Haifisch wird sein Image als notorischer Menschenfresser einfach nicht los. Begründet hat es Autor Peter Benchley, dessen Roman „Der weiße Hai“ – und mehr noch Steven Spielbergs unvergessliche Leinwandadaption von 1975 – an die Urangst des Zuschauers appelliert und damit, sehr zum Leidwesen seines Urhebers, einen Mythos befeuerte, der die vermeintliche Bestie nachhaltig auf die Liste der bedrohten Arten brachte. Geändert hat sich bis heute wenig. Die Dämonisierung des gefürchteten Raubfischs hält im Film unvermindert an. Jüngstes Beispiel ist „The Shallows“, ein minimalistischer Survival-Thriller, der es mit Realismus und Logik nicht sonderlich genau nimmt. Hauptsache der Hai ist schön böse.

An einem einsam gelegenen Strand in Mexiko will die US-amerikanische Medizinstudentin Nancy (Blake Lively, „Savages“) ihrer verstorbenen Mutter gedenken. Die Erzeugerin war in ihrer kinderlosen Zeit an jenem paradiesischen Küstenabschnitt Surfen. Nancy tut es ihr gleich, wobei Autor Anthony Jaswinski („Die Herrschaft der Schatten“) in der etwas gedehnt wirkenden Einleitung artig alle Weichen dafür stellt, dass die junge Frau auf sich allein gestellt ist. Neben ihr weilen lediglich zwei einheimische Surfer im Wasser. Deren Schicksal nimmt der Prolog vorweg, in dem ein Knabe am Strand einen Helm samt Kamera findet. Als die beiden in der aufziehenden Dämmerung den Heimweg antreten, zieht es Nancy noch einmal weiter aufs Wasser. Dort stößt sie auf einen Walkadaver – und gerät ins Futterrevier eines weißen Hais.

Der fügt ihr eine klaffende Wunde am Bein zu und zwingt sie, sich auf eine von der Ebbe freigegebene Felsspitze zu retten. Nachdem sie sich provisorisch – in schmerzhaften Detailaufnahmen – verarztet hat, muss sie mit Grausen erkennen, dass der Hai in der Nähe bleibt. Das rettende Ufer vor Augen, beginnt ein verzweifelter Kampf gegen die Zeit und ihre schwindenden Energiereserven. Gesellschaft leistet ihr einzig eine Möwe mit lädiertem Flügel, die Nancy in ironischer Anspielung „Steven Seagull“ nennt. Das Tier fungiert als stummer Konversationspartnerersatz im Stile von Volleyball Wilson aus „Cast Away“. Wer führt im Angesicht des Todes schon gern Selbstgespräche!? Damit der Hai seine Gefährlichkeit beweisen darf, verirrt sich bei Nacht ein Betrunkener an den Strand. Tags darauf kehren auch die beiden Surfer zurück. Mit bekanntem Auskommen.

Der Killerfisch ist gut getrickst und Livelys überzeugende One-Woman-Show trägt den Film mit Leichtigkeit. Dass „Non-Stop“-Regisseur Jaume Collet-Serra auf hippe Optik (Bildeinblendungen bei Nancys Social-Media-Aktivitäten) und Surf-Szenen in ästhetisierter Zeitlupe setzt, bleibt wie die kalkulierten Jump Scares (das Auftauchen der Delfine) der durchweg konventionellen Ausrichtung unterworfen. Schlecht ist „The Shallows“ beileibe nicht. Nur steht dem respektablen Spannungsbogen die Einfalt eines Skripts gegenüber, das seine einsame „Heldin“ mit schier übermenschlicher Ausdauer ausstattet und zwischen Boje und Quallen überdies genug Zufälle einbaut, um auf ein maßlos übertriebenes Herzschlagfinale nach typischer Hollywood-Bauart zuzusteuern. Effektiv ist das sicher, nur eben auch latent unclever. „Der weiße Hai“ einer neuen Generation resultiert daraus jedenfalls nicht.

Wertung: (6 / 10)

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