Lakeview Terrace (USA 2008)

lakeview-terraceEin Streit unter Nachbarn, aufgebauscht zum halbgaren Rassismus-Thriller. In Neil LaButes „Lakeview Terrace“ wird der Gartenzaun zur Palisade, ein Polizist zur tickenden Zeitbombe. Sein Name ist Abel Turner und sein Revier sind die Straßen von Los Angeles. Den Kontrast zum dienstlichen Alltagsbild schafft das noble Haus des verwitweten Vaters zweier Kinder. Nicht von ungefähr steht es in jenem Teil des San Fernando Valleys, in dem der Schwarze Rodney King 1991 von Polizisten verprügelt wurde, deren Freispruch einen bürgerkriegsähnlichen Flächenbrand gewalttätiger Proteste nach sich zog.

Auch Turner, famos gespielt von Samuel L. Jackson („The Spirit“), ist schwarz. Doch ist er nicht das Opfer, sondern der Täter. Als nämlich die jungen Eheleute Lisa (Kerry Washington, „Der letzte König von Schottland“) und Chris Mattson (Patrick Wilson, „Watchmen“), sie schwarz, er weiß, ins Haus nebenan zieht, beginnt der nach außen betont freundliche Cop einen perfiden Provokationsmarathon. Die nachts unmittelbar ins Schlafzimmer des Paares grellenden Scheinwerfer sind erst der Anfang eines sich zwangsläufig bis zur Eskalation zuspitzenden Kleinkrieges.

Chris, ein umweltbewusster Demokrat in Diensten einer ökologisch orientierten Supermarktkette, steht für ein Weltbild positivistisch naiver Gutgläubigkeit. Der archaischen Autorität Turners steht er damit praktisch hilflos gegenüber. Die ethnische Umkehrung fremdenfeindlicher Mechanismen aber verliert durch die Oberflächlichkeit ihrer Abhandlung an Kraft. So unberechenbar Jackson die Figur des selbstgerechten wie überstrengen Reaktionärs auch aufziehen mag, so konventionell streben die Streitigkeiten ihrer handgreiflichen Entgleisung entgegen.

LaBute, der neben der Thriller-Groteske „Nurse Betty“ auch das hoffnungslos gescheiterte „Wicker Man“-Remake drehte, will den Zorn des unterprivilegierten schwarzen Mannes erklären. Doch Turners individualisierte Vorgeschichte, die immer wieder Ventile braucht, um die aufgestaute Aggression entweichen zu lassen, nimmt der Abwärtsspirale angehäufter Vorurteile ihre Gemeingültigkeit. Die bemüht mit Fehlern beladenen Charaktere entsprechen einer Logik der Steigerung, von Suspense, von Dramatik. Ungeachtet der unbequemen Tonalität bleibt das Thema aber schlicht vorhersehbar und psychologisch simpel abgehandelt.

Wertung: (5 / 10)

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