Friends Don't Lie - Zenit der Dramaturgie (2026, Uncle M)

„Jeder Tag ist ein Kampf, jede Zeile ein Schrei“ – ‘Jede Zeile ein Schrei‘
Es muss ja nicht immer die kleinste Nische sein. Warum also nicht Musik machen, die sich öffnet? Auch dem Mainstream. So wie FRIENDS DON'T LIE, die auf ihrem „Zenit der Dramaturgie“ betitelten Albumdebüt Sprechgesang mit (Alternativ-)Rock, Post-Hardcore, Punk und Pop mixen. Hart und zart liegen bei den Frankfurtern demnach nah beieinander. Dabei erinnern sie In der grundlegenden Ausrichtung auch mal an KRAFTKLUB. Nur eben mit Knüppel-Parts. So wie bei „Splitter“, bei dem mit Stakkato-Drumming erst mächtig Dampf gemacht wird, bevor Bläser den Rhythmus füttern.
Das grundlegende Schema fußt auf Texten, die zwischen Persönlichem und Politischem gern nachdenklich bleiben. In ihnen geht es um Selbstzweifel, das Aufstehen nach Niederschlägen und/oder das „Hauptsache machen“-Credo (siehe „Angst“ oder die Klavier-Ballade „Tausend Türen“), aber auch darum, um „2 Uhr nachts“ an AfD-Plakaten zu reißen. Und klar, ein Song über das gebrochene Herz – hier als Hommage an „Bittersweet Symphony“ von THE VERVE – darf mit „Dieses Lied“ auch nicht fehlen. In der Hauptsache folgen auf die sprechgesungenen Herleitungen aber Refrains mit hymnischer Note – so wie beim Opener „Unsere Zeit“ oder „Hoch hinaus“.
Experimentell wird es dagegen beim elektronisch geprägten Crossover-Abstecher „Jede Zeile ein Schrei“, der in Kooperation mit GRELL und VINTA entstanden ist. An solchen die Vielseitigkeit unterstreichenden Nummern mangelt es „Zenit der Dramaturgie“ nicht. Und so sorgt die Platte für wuchtig produzierte Eindrücke, die sich ganz offensichtlich an ein breiteres (aufgeschlossenes) Publikum richten. Ihre eigene Nische besetzen FRIENDS DON'T LIE jedenfalls mit immer spürbarer Leidenschaft – und Haltung. Ergo sollte es schon schwer wundern, wenn diese in Zukunft nicht auch regelmäßig auf deutlich größeren Bühnen präsentiert wird.