AFI - The Missing Man (2018, Ex Noctum Nacimur)

Mit „The Missing Man“ bewiesen AFI 2018, dass sie auch die punkigen Sounds noch beherrschen. Dabei ist die erste EP der Kalifornier seit 2002 natürlich kaum mit den Hardcore-lastigen Frühwerken in Einklang zu bringen, knüpft immerhin aber dezent an die „Sing the Sorrow“-/„December Underground“-Phase an. Entsprechend kann das Eröffnungsstück „Trash Bat“ älteren Fans (fast) den Glauben daran zurückgeben, dass Davey Havok & Co. ihr Publikum noch immer mit lauteren Klängen in Wallung versetzen können. Oder wollen. Die Stimme erhebt Frontmann Havok dabei erwartungsgemäß nicht. Aber der verspielt melodische (Punk-)Rock pocht auf Bewegungsfreude und hat obendrein einen starken Refrain in petto.
Natürlich kann man über die Entwicklung von AFI geteilter Auffassung sein. Doch muss dem Vierer einfach zugutegehalten werden, dass er einfach nie auf der Stelle tritt. Von dieser unbedingten Vielseitigkeit künden auch die fünf Tracks auf „The Missing Man“. Nach dem schmissigen Einstieg bieten die beiden Folge-Tracks gezähmt rockige Klänge mit gewohnt düsterem Hang. Dabei schafft auch „Break Angels“ mit seiner rastlosen Melodik und den mehrstimmigen Gesangsparts Eindrücke, die über die Laufzeit der EP deutlich hinausragen, während „Back Into the Sun“ etwas positivere Klangfarben mit flirrender Gitarre in die Wagschale wirft. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch „Get Dark“, allerdings erneut mit dezent punkigem Einschlag.
Das Ende von „The Missing Man“ wird schließlich mit dem Titelstück erreicht, das abermals düster unterfangenen Mid-Tempo-Rock mit seichter Goth-Ader und einer guten Portion Pathos (inklusive Streicher-Einsatz) vorlegt. Auf der EP ist es der schwächste Beitrag. Und trotzdem darf das in Sachen Umfang eher schmale Musikwerk zum Besten gezählt werden, was AFI in den vergangenen zwanzig Jahren herausgebracht haben. Auch wenn es unwahrscheinlich erscheint: Davon bitte mehr!