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AFI - Bodies (2021, Rise Records/Ex Noctum Nacimur)

22. Januar 2026· von Thomas7.0 / 10
AFI - Bodies (2021, Rise Records/Ex Noctum Nacimur)

Eines kann AFI wahrlich nicht zum Vorwurf gemacht werden: kreativer Stillstand. Spätestens seit „Crash Love“ (2009) klingt kein Album der Kalifornier wie das andere. Als Basis bleibt düster getönter Rock bestehen, der je nach Gusto mit Alternative-, Goth- oder New-Wave-Einflüssen versehen wird. Bis zur Vorstellung ihres elften Langspielers „Bodies“ zählten Wave-Anleihen allerdings nicht zum Standardrepertoire von Sänger Davey Havok und seinen angestammten Mitstreitern. Das damit erweiterte Sound-Potpourri erscheint darüber nicht zwingend konsistenter, schafft in seiner abermals experimentellen Vielseitigkeit aber stärkere Eindrücke als der Vorgänger „The Blood Album“ (2017). 

Der gefällige Auftakt „Twisted Tongues“ deckt dabei noch das gewohnte Spektrum dezent abgründigen Alternativ-Rocks ab. Den Unterschied machen sphärische Anflüge. Und ein imposantes Soundgewand, das schier nach großen Bühnen lechzt. Auf diesem Niveau geht es weiter, nicht zwingend begeisternd, aber einfach mit spürbarer Leidenschaft ausgebreitet. Dabei machen neben dem Opener auch „Far Too Near“, das Indie-rockige „Looking Tragic“ oder „No Eyes“ Lust, tiefer in den Kosmos der sich beständig wandelnden Band einzutauchen. Der Charakter von „Bodies“ wird allerdings von den experimentelleren Beiträgen geprägt. Als Beleg für den anhaltenden Veränderungswillen genügt etwa das mit SMASHING PUMPKINS-Sänger Billy Corgan co-geschriebene „Dulceria“, das, wie später auch „Back From the Flesh“, mit pop-rockigem Flair aufwartet. Dabei offenbart Havok streckenweise gar eine ungewohnte stimmliche Seichtigkeit.

„On Your Back“ geht mit seinem wavigen Grundtenor sogar noch einen Schritt weiter, bringt aber genug Dynamik mit, um den Körper beständig zur Bewegung zu verleiten. Auch „Escape From Los Angeles“ pflegt diesen Eindruck, wobei AFI hier sogar in Richtung Post-Punk tendieren. Damit sollte klar sein: Langweilig geht es auf „Bodies“ mitnichten zu. Dafür steht auch das eingängige „Begging For Trouble“, das wirkt wie eine (pop-)punkige Variation einschlägiger PLACEBO-Soundbausteine. Den Spannungsbogen erhalten AFI damit konstant aufrecht – und variieren ihren Sound obendrein deutlich packender, als es auf den meisten ihrer Platten nach „Sing the Sorrow“ (2003) der Fall gewesen wäre. Dass dabei nicht immer alles wie aus einem Guss erscheint, bleibt verzeihlich, stützt unter dem Strich aber auch wieder den polarisierenden Ruf, den sich die Band über die Jahre erarbeitet hat.

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