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Powerplay (USA 1990)

14. Januar 2026· von Thomas6.5 / 10
Powerplay (USA 1990)

Der Kalte Krieg neigte sich dem Ende entgegen, als Regie-Veteran John Frankenheimer („Ronin“) mit „Powerplay“ noch einmal die Temperatur erhöhte. Ausgangspunkt des Kräftemessens zwischen West und Ost ist jedoch nicht die ideologische Gegensätzlichkeit, sondern das Aufbäumen gekränkter Nationalhelden. Das Hauptaugenmerk liegt auf US-Offizier Jack Knowles (Roy Scheider, „Der weiße Hai“), einem hochdekorierten Vietnam-Veteranen, der nach persönlichen Rückschlägen und Kommandeursposten in den entlegensten Winkeln an der deutsch-tschechoslowakischen Grenze rehabilitiert werden soll. Doch es kommt anders. So wie immer.

Knowles ist ein schwieriger Charakter und verkörpert mehr noch einen Schlag, der in Zeiten der Annäherung zwischen Ost und West aus der Zeit gefallen scheint. Der von seiner Familie längst entfremdete Berufssoldat funktioniert im Grunde nur im Kampfeinsatz. Kurz nach Dienstantritt werden er und sein Patrouillentrupp Zeuge, wie ein Mann die Grenze zu passieren versucht. Berittene Soldaten stellen ihn, ehe als Werkzeug der Provokation ein Hubschrauber unmittelbar an der Grenze auftaucht. Colonel Knowles spielt das Spiel mit – und sieht sich mit dem sowjetischen Grenztruppenoffizier Valachev (Jürgen Prochnow, „Das Boot“) einem ideologischen Feind gegenüber, der aus demselben Holz geschnitzt ist. Schneeballwürfe sind nur der Anfang einer zunächst beinahe kindisch anmutenden Fehde, die jedoch zunehmend eskaliert.

In seiner Enttäuschung, obendrein an seinem Geburtstag und unter Alkoholeinfluss, überschreitet Knowles die Grenze und bedroht sowjetische Soldaten. Valachevs Antwort lässt nicht lange auf sich warten. So folgt der Sprengung eines Jeeps ein Brandanschlag auf einen Wachturm der Gegenseite. Der Kalte Krieg erhitzt sich im Kleinen als Privatfehde zweier stolzer Offiziere, die nach Jahrzehnten innig gepflegter Feindschaft nicht imstande scheinen, den gewohnten Alarmzustand zu überwinden. Unterbrochen wird der Kleinkrieg scheinbar nur, als Knowles an der Grenze Elena (Lara Harris, „König der Fischer“) aufliest, eine Tschechoslowakin, die heimlich ihre Tochter aus Prag holen will und als politische Aufrührerin gesucht wird. Im Bestreben, ihr zu helfen, gerät er jedoch nur tiefer in den Konflikt mit Valachev.

Zum Auftakt der Geschichte spricht General Hackworth (Harry Dean Stanton, „Alien“) aus dem Off vor Gericht über die Vorgänge an der Grenze; weitere dieser Einschübe folgen und skizzieren die von Knowles ausgehende Eskalation. Psychologisch bleibt das zwar vergleichsweise simpel, entfaltet aber gerade durch die verbissene Ernsthaftigkeit der Figuren immer noch Wirkung. Der Originaltitel, „The Fourth War“, spielt dabei auf einen Ausspruch Albert Einsteins an, nach dem der Vierte Weltkrieg nur noch mit Stöcken und Steinen geführt wird. Die Streithähne stützen diese These am Ende dadurch, dass sie sich entgegen jeder Vernunft im verschneiten Grenzgebiet noch mit Fäusten traktieren, als sie längst in eiskaltes Wasser eingebrochen sind. Selbst wenn „Powerplay“ etwas angestaubt – und mitunter reichlich unlogisch – wirkt, packt die Geschichte dank starker Hauptdarsteller immer noch souverän. Seinen Anteil hat aber auch Routinier Frankenheimer, der es bei den dosiert eingesetzten Actionszenen zünftig krachen lässt.