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Violent Night (USA 2022)

24. Dezember 2025· von Thomas7.0 / 10
Violent Night (USA 2022)

„Maybe this is my last year. The last Christmas.“ – Zu alt für diesen Scheiß: Santa Claus

Dass der finnische Filmemacher Tommy Wirkola Fantasy-Filme der etwas anderen Art drehen kann, bewies er bereits mit „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ (2013). Eigenwillig interpretiert wird auch die Hauptfigur in „Violent Night“, wenn der echte Weihnachtsmann („Stranger Things“-Star David Harbour) nach bewährter „Stirb langsam“-Bauart in eine Geiselnahme durch schwer bewaffnete Gangster verstrickt wird. Diese absurde Grundannahme wird Wirkola-typisch an den richtigen Stellen mit einer Ernsthaftigkeit unterfüttert, die den Figuren eine plastische Erscheinung beschert.

Das trifft auch auf Santa selbst zu, der zum Auftakt in einer Kneipe hockt und der ob des von Rentieren gezogenen fliegenden Schlittens erstaunten Wirtin zum Abschied ins Gesicht kotzt. Wie so viele folgt auch der Weihnachtsmann einem Trott, der ihn an seiner Bedeutung zweifeln lässt. Schließlich glauben immer weniger Menschen an ihn und die Kinder wünschen sich entweder Geld oder Videospiele. Die junge Trudy (Leah Brady, „The Acolyte“) ist anders. Sie glaubt noch an Santa und wünscht sich nichts sehnlicher, als dass ihre getrenntlebenden Eltern, Linda (Alexis Louder, „Copshop“) und Jason (Alex Hassell, „Rivals“), wieder zueinander finden.

Doch gerade das erscheint vor dem Hintergrund des gemeinsam im Kreis von Jasons Familie zelebrierten Heiligabends unwahrscheinlich. Denn die Sippschaft der strengen Großunternehmerin Gertrude (Beverly D’Angelo, „Schöne Bescherung“) ist nicht allein durch das Buhlen um ihre Gunst heftig zerstritten. Und so gerät das Wiedersehen zwischen den Angehörigen von Jason und seiner Schwester Alva (Edi Patterson, „Knives Out“) im Anwesen der Matriarchin zunächst zum Jahrmarkt der Eitelkeiten. Das ändert sich mit Auftauchen des mit Decknamen Scrooge versehenen Anführers (John Leguizamo, „Assault on Precinct 13“) und einer Gangsterschar in Festtags-Outfits (darunter Brendan Fletcher, „Rampage“), die es auf Gertrudes im Haus gelagerten Vermögen abgesehen haben.

Dass der Plan nicht aufgeht, liegt an Santa, der nach der Ablieferung der Geschenke erst in einem Massagesessel einschläft und sich im Kampf mit den Geiselnehmern anschließend auf seine Vergangenheit als marodierender Wikinger (und seinen Kriegshammer Skullcrusher!) beruft. Das führt zu reichlich blutbesudelt makabrer Action, bei der Harbour als körperlich bedingt herausragender Held wider Willen vehement den Geist der Weihnacht verteidigt. Dass sich Gertrudes anrückendes Sonderkommando (angeführt von Mike Dopud, „Driven to Kill“) ebenfalls als Teil des Raubzugs entpuppt, stützt Wirkolas Fokus auf die Fantasy-begleiteten Scharmützel.     

In den gewaltfreien Passagen darf der Weihnachtsmann die Welt und sich selbst hinterfragen, während die Familienverhältnisse von Jason & Co. ebenfalls aufrichtiger geordnet werden. Die emotionaleren Teile der Geschichte nehmen „Violent Night“ zwar immer wieder das Tempo, unterstreichen aber Wirkolas Anspruch, neben der comichaften Gewalt auch die wesentlichsten Figuren mehrdimensional erscheinen zu lassen. Trotz kleinerer Abstriche bleibt somit ein spaßiger Festtags-Kracher, der neben rabiaten eben auch versöhnliche Töne anstimmt.